Riesener


Johann Heinrich

ist in Kunstkreisen wohl bekannt. In Fachbüchern wird er ausführlich gewürdigt. Große Kunstmuseen in aller Welt präsentieren Riesener-Möbel mit Stolz, und auf den seltenen Auktionen werden für seine Möbelstücke Millionen geboten.

Der nach Paris ausgewanderte Sohn eines Kötters und Stuhlmachers aus dem verträumten westfälischen Dorf Gladbeck arbeitete für die Großen seiner Zeit und erwarb sich hohes Ansehen. Er gilt als der bedeutendste Möbelkünstler Frankreichs, wenn nicht Europas.

In einer Monografie von Pierre Verlet werden bedeutsame Werke vorgestellt. Eva-Maria Stuckel hat das Leben Rieseners nachgezeichnet. In zahlreichen, teils farbigen Fotos wird die hohe Kunst Rieseners deutlich.


Herausgeber:
Verein für Orts- und Heimatkunde e. V.
Gladbeck in Westfalen
Heinz Enxing, Voßstraße 147, D-54966 Gladbeck Tel: 02043-61421
Email: enxing@gelsennet.de
ISBN 3-9801170-8-1

Beim Herausgeber erhältlich für 5,00 €


"Bureau de Roi" mit vergoldeten Bronzebeschlägen 1769, Versailles

Möbel von J. H. Riesener ( Textprobe )
von Pierre Verlet
Jean Henri Riesener ist einer der berühmtesten Kunstschreiner aller Zeiten. Nach der Herkunft deutsch, nach seinem Bildungsgang französisch-deutsch, verdankt er Paris und dem französischen Hof die Ursache für seinen Erfolg und sein Talent. Sein Fall ist einer derer, wo sich zwei grundverschiedene Kunstauffassungen vermischt finden. Und doch, was wäre aus Riesener ohne Frankreich geworden? Ein Roentgen vielleicht! Die französische Möbelkunst des 18. Jahrhunderts hätte wohl auch ohne ihn ihre ruhmreiche Entwicklung weiterführen können, aber dennoch hat die Persönlichkeit Rieseners dem französischen Möbel in starkem Maße ihren Stempel aufgedrückt. Vor allem konnte Riesener, indem er Auftraggeber fand, die seines Talentes würdig waren, häufig von diesen geführt und angeleitet werden, so dass sich sein Genie voll entfalten konnte.


"Rollbureau f. Marie-Antoniette" Perlmutfurnier 1787, Fontainebleau

Riesener wurde am 4. Juli 1734 in Gladbeck (Westfalen) geboren. Im Kirchenregister von St. Lamberti zu Gladbeck steht unter dem Datum des 11. Juli 1734 der Name Johann Heinrich, Sohn des Johann Hermann Riesener und der Margarete Brahms. Sein Vater war „Stuhldrechsler und Kötter"; den elterlichen Betrieb hat später ein Bruder Johann Heinrichs übernommen. Auf welche Weise dieser nach Paris gekommen ist, ob als wandernder Geselle oder durch die Protektion des Fürstbischofs, ist unbekannt. Auf jeden Fall scheint er sehr jung in die Werkstatt von Jean François Oeben gekommen zu sein. Dieser Ebenist, der gleichfalls deutscher Abstammung war, hatte sich damals im Arsenal von Paris niedergelassen.
Nach dem Tode von Jean François Oeben am 2. Januar 1763 muss die Werkstatt eine Zeitlang von Wynant Stylen geleitet worden sein, der offenbar der erste Mitarbeiter Oebens gewesen zu sein scheint. Tatsächlich hatte die Witwe eines Ebenistenmeisters nach den Zunftregeln in Paris das Recht, die Werkstatt zu behalten, vorausgesetzt, dass sie neben sich über einen qualifizierten Gesellen verfügte....


"kleines Schreibpult" Mahagoni, Ende 18 Jh., Louvre

Madame Oeben jedoch zog es sehr bald vor, Riesener die Leitung des Ateliers zu überlassen. Außer seiner fachmännischen Unterstützung, die sie zu dieser Entscheidung bestimmte, drängten sie vielleicht gewisse intime Empfindungen zu dieser Wahl. 1767 heiratete sie Riesener....
.... Dann brach die Revolution aus. Die Kundschaft Rieseners verschwand und der Geschmack wandelte sich. Riesener kaufte dann bei Versteigerungen in Versailles eine Anzahl Möbel, die er seinerzeit zu hohem Preis hergestellt hatte, zurück; er hoffte, sie in besseren Zeiten wieder absetzen zu können. Die neue Regierung beauftragte ihn mit der Erneuerung derjenigen Marketerie-Felder, welche über und über mit königlichen Insignien bedeckt waren, um besonders kostbare Stücke - nachdem diese verändert worden waren - die er einst nach Versailles geliefert hatte: den Rollpult Ludwigs XV. und die Kommode im Zimmer Ludwigs XVI. Kurz nachher wurde der Ebenist gezwungen, den Arsenalbau zu verlassen und bezog eine Wohnung in der Straße Saint-Honoré, neben der alten Kirche der Jakobiner, die nun Sitz des revolutionären Clubs geworden war.


"Eckmöbel" Mahagonifurnier auf Eiche 1780, Münster

Hier starb er am 6. Januar 1806, nachdem er verschiedene Anzeigen aufgegeben hatte - scheinbar ohne Erfolg - um gewisse Möbel, die er aus Versailles zurückgekauft hatte und dazu Möbel aus seinen alten Beständen wieder zu veräußern.


.... Der Erfolg des "Bureau du Roi", des berühmtesten Möbelstückes, das bis dahin für Versailles in Auftrag gegeben wurde, beeindruckte Riesener sehr und trug ihm dazu ein Spezialistentum für Rollpulte sowie für mechanische Möbel überhaupt ein. Die Wallace-Collection, die eine Replik des Schreibtisches des Königs aus dem 19. Jahrh. besitzt, bewahrt auch einen Zylinderschreibtisch von Riesener selbst, bei dem er sich bemühte, dem Stil des "Bureau du Roi" nahe zu kommen: das ist das so genannte "Bureau des Stanislaus Lecszinski".

"Rieseners Lebensweg " ( Auszug )
von Eva-Maria Stuckel


Namensstempel

......Ein berühmtes Beispiel: Riesener ersinnt für die im Wochenbett liegende Königin Marie Antoinette einen Tisch, dessen Platte durch Drehung als Schreibfläche oder als Spiegel benutzt werden kann und durch eine Kurbel an der Seite mehrere Fächer automatisch öffnet.
Von 1774 bis 1784 verdient Riesener 938 000 Livres.
Zum Vergleich: Ein Kunstschreinergeselle verdiente nach mindestens sechs Jahren Lehrzeit höchstens 2 Livres pro Tag.


Kommode aus dem Kabinett von Marie-Antoinette in Marly 1782, Louvre

Die ganze gehobene Gesellschaft im Umkreis des Hofes macht Riesener zu ihrem bevorzugten Möbellieferanten. Aufgrund seiner außerordentlichen Aktivität, die ein System von Serienfertigung vermuten lässt, kann Riesener in kurzer Zeit ein beträchtliches Vermögen anhäufen, wie überhaupt viele Ebenisten im Unterschied zu den klassischen Pariser Schreinern gleichzeitig als wirtschaftliche Unternehmer mit hoher Kompetenz agierten - die Hofebenisten besaßen ebenfalls den Titel „Händler gemäß dem Hofe". Nur selten griffen sie auf etablierte Zwischenhändler zurück, die zudem häufig ungestempelte Möbelstücke verlangten, um ihre private Kundschaft über die Herkunft der Möbel im Unklaren zu lassen.
Der Überfluss an Bestellungen bei Riesener führte mitunter zur Auslagerung von Aufträgen an renommierte Künstler, die ihre Werkstätten in den traditionellen Pariser Handwerksvierteln hatten. Alle Hofebenisten seit 1726 verfahren auf diese Weise - Riesener nahm die Künste Adam Weisweilers als Unterfabrikanten in Anspruch: Diese Möbel wurden dann von Riesener gestempelt. ....