Gladbecker Ortsnamen

In alten Urkunden der Werdener und Essener Heberegister finden sich Namen wie Gladbeki, Gladbeke, Gelatbeke, Gladtbeck. Der Name unseres Ortes ist somit über Jahrhunderte nahezu unverändert geblieben. Die Bezeichnung ist weit über 1000 Jahre alt.


Auf dem Bronzemodell „Gladbeck um 1820“, das der Verein für Orts- und Heimatkunde vor der St. Lambertikirche aufgestellt hat, ist der alte Dorfkern gut zu sehen.

Das Grundwort „beck“ = Bach kommt in vielen Orts-, Hof- und Flur- und Gewässernamen vor. Beispielhaft seien genannt: Havixbeck, Lembeck, Schermbeck, Haus Beck, (Duisburg)-Beeck, Beckhausen, Beckerathstraße, Breiker Becke, Overbeck, Beckmann, Brabeck. Das Bestimmungswort „glad“ heißt so viel wie glänzend, klar. Der Gladbecker Heimatforscher Ludwig Bette deutet den Namen also Gladbeck = Siedlung am glänzenden, klaren Bach. Er hält aber auch die Deutung „leicht fließender Bach“ für möglich. In der Ebene mit wenig Gefälle floss ein Bach ohnehin langsam, so dass sich die Sonne in der glatten Oberfläche wohl spiegeln konnte.

Die Gladebecke, ein kleiner Bach, dessen Name erst viel später auftaucht, entsprang in einer Senke im Park des Vinzenzheimes. Infolge Bergbaueinwirkungen und Baumaßnahmen ist die Quelle versiegt. Sie floss in westlicher Richtung nördlich der Lambertikirche – der Name Bachstraße erinnert daran – dann im Verlauf der heutigen Goethestraße, bildete dort einen kleinen Teich, den Schenkendiek, und mündete nahe der heutigen Uhlandstraße in den Wittringer Mühlenbach. Er war kaum zwei Kilometer lang.

Der Ortsname Butendorf ist leicht zu erschließen. Die Bauerschaft lag außerhalb (niederdeutsch: buten) des Dorfes. Dies ist noch heute an der Horster Straße gut erkennbar. Bemerkenswert ist, dass der Name „Butendorf“ in der ältesten Karte Gladbecks von 1823 überhaupt nicht auftaucht. Hingegen ist der Flurname „Buerfeld“ für das Gebiet südlich der Gartenstraße vertreten. Der aus Gladbeck stammende Germanist Paul Derks deutet es als Feld der Gladbecker Bauern.

Brauck ist das niederdeutsche Wort für Bruch, Sumpfland, also die Siedlung, die im Bruch liegt. Ältere Quellen (ab 1660) nennen „Brawbauerschaft“, „Braubauerschaft“ und „Brauckbaurschaft“. Tatsächlich ist an der Boystraße mit 31 m über NN der tiefste Punkt Gladbecks. Das Gebiet gehört zur Emscherniederung mit dem früher ausgedehnten Sumpfgebiet, in dem es sogar Wildpferde gab. Die Emscher veränderte in der Niederung oft ihren Lauf. Die Flurbezeichnung Waterhuk bezeichnet ein etwas höher gelegenes Gelände (Huk = Huckel) zwischen Emscherniederung und Hahnenbach. Auch der neuere Name Rosenhügel gibt eine Geländeform wieder, eigentlich eine neuere Form des alten Namens Waterhuk. Der alte Hof Busfort lag an einer Furt im Emscherbruch nahe einem Busch. Beim Bau des Hochhauses am Busfortshof fand man das Skelett eines Waldwisents. Eine Kopie davon ist im Museum. Die Uferstraße dürfte ihren Namen von dem Hof „ten Stade“, (= am Ufer) haben, der dort lag.

Ellinghorst ist nicht nur der älteste in Gladbeck durch Urnenfunde nachgewiesene Siedlungsplatz, sondern hat auch einen uralten Namen. Kösters erklärt das Grundwort „horst“ als eine erhöhte Stelle im Gelände, die landwirtschaftlich genutzt wurde. Ein Abkömmling der Herren von Hurst, wahrscheinlich Ludolf von der Hurst im Bruche (Emscher) – heute Schloss Horst – gründete ein Herrenhaus, den Vorläufer Wittringens und nannte es Horst bei den Erlen, also Ellinghorst. Derks folgt dem nicht und behauptet, der Name sei viel älter. „horst“ und „hurst“ bezeichne Busch, Strauch, Gesträuch, sei also ein Wort für Niederwald-Wirtschaft. Das Bestimmungswort „Elling“ weist auf einen Eigennamen, z. B. Ello oder Ella, hin, so dass Ellinghorst bedeuten könnte Niederwald der Ellinge.

Im 13. Jahrhundert werden in einer Urkunde des Xantener Oberhofes Dorsten „Rentvorde“ und „to Ryntvort“(= Rentfort) genannt. „fort“ ist als Furt zu deuten, hier durch die Boye-Niederung nahe Pilkington-Flachglas. Bei „ren“ gibt es mehrere Erklärungen. Bette meint, „ren“ hängt zusammen mit Rain und bedeutet Grenze. Früher gab es dort einen Hof Rennebaum, also am Grenzbaum. Rentfort wäre demnach die Siedlung an der Grenzfurt. Dazu muss man wissen, dass die heutige Siedlung Alt-Rentfort nicht im Zentrum der alten Bauerschaft Rentfort liegt. Derks hingegen kommt zum Schluss, dass „ren“ von Rind abzuleiten sei. Schließlich habe das Rindvieh in der bäuerlichen Wirtschaft des Mittelalters eine große Rolle gespielt. Rentfort bezeichne also einen Weidegrund nahe einer Furt.

Zweckel, niederdeutsch Schweckel, erscheint um 1150 als „Sveclo“, um 1420 als „Swekelo“. Das Grundwort „lo“ weist auf Wald, Baumbestand hin (vergl. Lohstraße, Lohausen, Osterloh, Lohberg). „eclo“ könnte Eichenwald bedeuten. Das Wort taucht auch in Ekel, Eickel, Eickelborn auf. Kösters erklärt: „su“ ist die Sau, das Schwein. Zweckel sueclo = Schweine-Eichenwald war also ein Gebiet, das für die Schweinemast geeignet war. Früher waren Waldgebiete oft gemeinsamer Besitz. Sie dienten der Holz-, Stallstreugewinnung und auch der Schweinemast. Derks wiederum sagt, in „swek / swik“ stecke das altsächsische Wort für Geruch. Zweckel sei ein Stück Niederwald, in dem es nach irgendetwas riecht. Nahe der Grenze nach Kirchhellen gab es den Hof Rockholt / Rookholt, der nahe dem Wald war, in dem es nach etwas riecht. Nach was, kann man nur vermuten. Der nördliche Zipfel Zweckels heißt bei den Anwohnern Heischenort. Darin dürfte das Wort „Heister“ = Gebüsch stecken.

Wittringen ist nach Derks von „watar“, „wetiringa“ (= Wasserlauf) abzuleiten. Ludolf de Witteringe (1263) habe bei der Besiedlung wohl den schon älteren Namen übernommen.

Der Haarbach, lange Zeit ein Abwasservorfluter, hat seinen Namen der Tatsache zu verdanken, dass er im Wald floss (Haar = Waldgebiet). Der Hahnenbach in Brauck bekam seinen Namen vom Hof Hahne, dessen Gebäude gegenüber der Marienkirche noch existiert. Ebenso ist der Quälingsbach in Rentfort nach einem bäuerlichen Anwesen benannt, genau so die Breiker Becke und der Mehringsbach, der den Nordpark speist. Der Nattbach in Butendorf entwässerte eine sumpfige Senke. Die Namensdeutung des Wittringer Mühlenbaches liegt auf der Hand. Im Oberlauf hieß er auch Rentroper Mühlenbach. Im Gebiet südlich der Gartenstraße lag der Hof Schulte-Rentrop, der eine Mühle betrieb. Auch der Becksche und der Brabecker Mühlenbach lassen sich leicht erklären. Die Boye, älterer Name Boede, bedeutet nach Derks „die Stumme“, weil sie so ruhig fließt.

Auch heute noch werden neue Ortsnamen erfunden und gebraucht. Die Namen Schultendorf und Wiesenbusch sind solche Beispiele. Die Siedlung Schultendorf ist auf dem Gelände des ehemaligen Hofes Schulte-Rebbelmund errichtet worden. Der Name Wiesenbusch ist noch keine 20 Jahre alt.

Zahlreiche Flur- und Hofnamen leben in Gladbecker Straßennamen fort. Der Verein für Orts- und Heimatkunde hat unter zahlreiche Straßenschilder Zusatzschilder angebracht, welche die Straßennamen erklären.
Heinz Enxing