Denkmäler

„Denkmäler sind Sachen, ... an deren Erhaltung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht. Ein öffentliches Interesse besteht, wenn die Sachen bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte, Siedlungen oder für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse sind und für die Erhaltung und Nutzung künstlerische, wissenschaftliche, volkskundliche oder städtebauliche Gründe vorliegen.“ (Denkmalschutzgesetz NRW)

Es werden Baudenkmale, ortsfeste Bodendenkmäler und bewegliche Denkmäler unterschieden.

Die Untere Denkmalbehörde hat auf Antrag der Stadt Gladbeck 59 Baudenkmäler im ganzen Stadtgebiet unter Denkmalschutz gestellt.

In Gladbeck befinden sich weiterhin zahlreiche Gebäude, die zwar nicht unter Denkmalschutz stehen, aber wegen ihrer das Stadtbild prägenden Gestalt erhaltenswert sind.

In Gladbeck gibt es auch Naturdenkmäler. Ob ein Baum, ein Findling, ein Bachlauf o. ä. ein Naturdenkmal ist, entscheidet die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis.

Es werden beispielhaft die fett gedruckten Baudenkmäler in Text und Bild vorgestellt. Dabei werden auch die Gründe für die Unterschutzstellung genannt.

1.  Haus Wittringen: Torhaus und Museum   seit: 23.01.1984  
2.  Haus Wittringen: Restaurantgebäude   seit: 23.01.1984  
3.  Rathaus   seit: 23.01.1984  
4.  Wohn- und Geschäftshaus Horster Straße 9   seit: 23.01.1984  
5.  Vöinghof   seit: 23.01.1984  
6.  Aloysiusschule   seit: 23.01.1984  
7.  Hauptschule Butendorf (Kreuzschule)   seit: 23.01.1984  
8.  Ratsgymnasium   seit: 23.01.1984  
9.  Marthaheim   seit: 23.01.1984  
10.  Vinzenzheim   seit: 23.01.1984  
11.  Bauernkotten Waldstraße 34   seit: 23.01.1984  
12.  Bauernkotten Kleimann   seit: 23.01.1984  
13.  Uhlandschule   seit: 23.01.1984  
14.  Villa Jovy (heute VHS)   seit: 23.01.1984  
15.  Jordan-Mai-Schule   seit: 23.01.1984  
16.  Lökenshof   seit: 22.02.1985 
17.  Schumachers Kotten   seit: 11.02.1985  
18.  Kotten Nie   seit: 11.02.1985  
19.  Amtsgericht   seit: 09.09.1985  
20.  Finanzamt   seit: 09.09.1985  
21.  Polizeiamt   seit: 09.09.1985  
22. bis 31.   Beamtenwohnhäuser Jovyplatz 8 – 26   seit: 09.09.1985  
32.  Beamtenwohnhäuser Kortestraße 1 – 3   seit: 22.11.1985  
33.  Beamtenwohnhäuser In der Dorfheide 1 – 3   seit: 22.11.1985  
34.  Wohnhaus Friedenstraße 89   seit: 22.11.1985  
35.  Wohnhaus Heinrichstraße 21/21 a   seit: 22.11.1985  
36.  Stadion (Vestische Kampfbahn)   seit: 24.02.1986  
37.  Ehrenmal   seit: 22.09.1986  
38.  Fachwerkhaus Horster Straße 118   seit: 22.09.1986  
40.  Arbeitersiedlung Uhlandstraße 34 – 44 und 31 – 41   seit: 01.04.1987  
41.  Maschinenhalle Zweckel   seit: 11.10.1988  
42.  Schlachthof: Wasserturm, 2 Wohnhäuser, Einfriedung   seit: 11.10.1988  
43.  Arbeitersiedlung Rentfort Kirchhellener Str. /Lohstr.   seit: 29.05.1989  
44.  Berginspektion und Beamtensiedlung Bernskamp   seit: 15.10.1992  
45.  Hofstelle Klaas, Enfieldstraße 82   seit: 22.08.1994  
46.  Hofstelle Feldhauser Straße 408 (Droste-Breick)   seit: 29.01.1996  
47.  St. Lambertikirche   seit: 27.04.1998  
48.  Pfarrkirche Heilig Kreuz Butendorf m. Pfarrhaus   seit: 27.04.1998  
49.  Pfarrkirche Christus König Schultendorf   seit: 27.04.1998  
50.  Herz-Jesu-Kirche mit Pfarrhaus in Zweckel   seit: 26.10.1998  
51.  Herz-Jesu-Kirche mit Pfarrhaus in Zweckel   seit: 22.05.2000  
52.  Wilhelmschule   seit: 05.06.2001  
53.  Stellwerk Abzweig Zweckel u. Bahnschranken   seit: 03.09.2001  
55.  Wohnhaus In der Dorfheide 10   seit: 23.09.2002  
56.  Wohnhaus Emmichstraße 4 – 22   seit: 23.09.2002  
57.  Vinzenzschule   seit: 17.03.2003  
58.  Freibad   seit: 22.09.2003  
59.  Ehemaliges Postgebäude   seit: 15.03.2004  


1. Haus Wittringen (Torhaus 1706, Museum 1924) Burgstraße 64
Haus Wittringen befindet sich auf einer Insel in einem großen Teich und ist über eine Brücke mit Toreinfahrt zugänglich. Das Torhaus ist ein Backsteingebäude und hat ein mit Pfannen gedecktes Satteldach. Die Durchfahrt ist rundbogig. Über dem Tor ist ein Dreiecksgiebel aus Naturstein mit Wappenstein. Die Fenstereinfassungen sind ebenfalls aus Naturstein. Eine Brücke über den Gräftenteich führt zum Torbogen. Ketten deuten die frühere Funktion als Zugbrücke an.


Das Haupthaus, heute das Museum der Stadt Gladbeck, schließt sich südwestlich an. Es ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Putzausfachungen und steht auf einem hohen Natursteinsockel. Die Giebeldreiecke kragen vor und sind im oberen Teil verbrettert. Die nördliche Traufseite weist Mittelerker und Dachhäuschen auf, die südliche eine Portalanlage. Das Gebäude war das ehemalige Herrenhaus von 1640 und wurde 1924 nach alten Unterlagen rekonstruiert.


Die Anlage bezeugt historische Herrschaftsstrukturen. An der Erhaltung als Baudenkmal besteht aus baugeschichtlichen und städtebaulichen Gründen, sowie wegen der reizvollen Lage in einem weitläufigen Park öffentliches Interesse.

Zur Geschichte des Hauses Wittringen kann im Museum eine Broschüre für 2,50 Euro erworben werden. Siehe auch den Link „Wittringen“!


2. Haus Wittringen, Restaurantgebäude (1925) Burgstraße 64
Das Restaurantgebäude wurde 1925 als Volkserholungsstätte errichtet. Das zweigeschossige Ziegelgebäude hat ein steiles, mit Pfannen gedecktes Satteldach mit Dachhäuschen und -gauben. Die Giebelfassade wurde nach mittelalterlichem Vorbild als Stufengiebel gebaut. Nördlich und südwestlich befinden sich Rundtürme mit oktogonalen Obergeschossen und mit Kupfer gedeckten Hauben. Zur Hofseite gibt es Arkaden mit einem darüber liegenden Balkon. Ein weiterer Balkon ist an der östlichen, wasserseitigen Traufseite.

Im ehemals zur Wasserburg gelegenen ausgedehnten so genannten Wittringer Wald sind weitere Brücken- und Treppenanlagen in der typischen Formensprache der 20er Jahre des 20. Jh. Einbezogen sind auch die Baudenkmäler „Ehrenmal“, „Stadion“ und „Freibad“.


3. Rathaus (1910), Willy-Brandt-Platz 2
Das Rathaus ist ein markantes Eckgebäude mit Keller und gequaderter Erdgeschosszone, darüber zwei verputzte Geschosse und eine verschieferte Dachlandschaft. Die Nordost- und Westfassaden haben Zwerchgiebel in Renaissanceformen. Die Nordwestecke wird durch einen hohen Turm mit geschweifter Haube, Uhr und Turmwächterfigur betont. Die strengen Wandflächen werden durch Sandsteinelemente, wie Fenstereinfassungen, Gesimse, Lisenen und Konsolen aufgelockert.


Das Rathaus ist bedeutend für die Stadt Gladbeck, weil es das zeittypische Repräsentationsbedürfnis der Verwaltung bezeugt. Der Architekt Otto Müller-Jena errichtete zahlreiche Gebäude in der Region, u. a. die Heilig-Kreuz-Kirche in Butendorf und Teile des St. Barbara-Hospitals.


4. Wohn- und Geschäftshaus Horster Straße 9 (1928)
Das viergeschossige Eckhaus südlich des Lamberti-Kirchplatzes ist in der Erdgeschosszone verputzt. Darüber befindet sich Ziegelmauerwerk. Das Mansardendach ist mit Pfannen gedeckt. Die Hauptfassaden (Nord- und Westseite) weisen Risalite und Staffelgiebel, Stuckfensterrahmung und Reliefs auf, dazu profilierte Gesimse und Gesimsstücke. Die Gebäudeecke über der Eingangstür ist polygonal gestaltetet und wird durch ein Zeltdach betont.

Für die Erhaltung sprechen städtebauliche Gründe, besonders die Ecklage.


5. Vöinghof (2. Hälfte 19. Jh.), Hornstraße 25
Die große Hofanlage besteht aus mehreren Gebäuden:

Das Bauernhaus (bez. 1863) ist ein zweigeschossiger Vierständerbau mit Ziegelausfachungen auf Natursteinsockel mit einem reparierten Dachstuhl und 1881/81 neu gedeckten Satteldach.


Der Wirtschaftsteil ist mit Vorschauer und verbrettertem Giebeldreieck, geschnitztem Deelentorgestell mit Radabweisern. Die Sturzriegelinschrift nennt u. a. das Baujahr und den Zimmermann J. Heger. Der Wohnteil hat alte Fenster und Klappläden.


Das Nebengebäude ist L-förmig an die westliche Traufseite des Bauernhauses angebaut. Es ist ein eingeschossiges Fachwerkgebäude mit Ziegelausfachungen und hat ein mit Pfannen gedecktes Satteldach. Westlich ist ein weiteres Nebengebäude mit Satteldach.


Die Scheune ist ein lang gestreckter Ziegelfachbau mit einem mit Pfannen gedeckten Satteldach. Sie hat Längs- und Quereinfahrten mit wieder verwendeten Torgestellen des 18. Jh. und verbretterte Giebeldreiecke.


Die Remise ist ein kleines Fachwerkgebäude mit Backsteinausfachungen mit Längseinfahrt.

Das Backhaus, ein kleines Fachwerkgebäude mit Backsteinausfachungen hat westlich eine Kübbung.


Das Bienenhaus ist ein kleines Fachwerkgebäude mit Backsteinausfachungen. Der Westgiebel hat die Eingangstür, darüber eine Giebelverbretterung. Die Nordseite ist offen mit Querhölzern. Im Innern sind Bretterböden zum Aufstellen der Bienenkörbe.

Die Hofanlage mit ihren einheitlichen Fachwerkgebäuden ist die einzige in Gladbeck vorhandene Hofstelle mit historischem Gebäudebestand. Sie ist damit von außerordentlichem Zeugniswert für die bäuerlichen Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Das Bienenhaus ist das einzige erhaltene historische Bienenhaus Gladbecks.


6. Aloysiusschule (1925), Bottroper Straße 55


Das Gebäude ist expressionistisch durchgebildet. Es ist ein dreiflügeliger, unterkellerter zwei- bzw. dreigeschossiger Ziegelbau. Die Sattel- bzw. Mansardendächer sind mit Pfannen gedeckt. Der dreigeschossige Haupttrakt ist von der Bottroper Straße zurückgesetzt.


Er weist einen Mittelrisalit und ein Zwerchhaus mit Uhr auf. Der Dachaufbau darüber ist rund. Die Wandflächen sind durch quaderartige Ziegelsetzungen an den Gebäudeecken gegliedert. Gesimse, Lisenen und besonders im Bereich der Rundbogeneingänge Ziegelziersetzungen lockern die Fassade auf.


Die Fenster sind zum Teil original.


Das Gebäude bezeugt die Entwicklung des Schulwesens in Gladbeck. Wegen seiner baugeschichtlich interessanten Gestaltung und wegen seiner Lage als städtebauliche Marke an der Bottroper Straße ist es erhaltenswert.


8. Ratsgymnasium (1913 – 15) Mittelstraße 50/52


Der Architekt Hans Tietmann entwarf das Ratsgymnasium als dreiflügeligen, unterkellerten dreigeschossigen Bau. Das Gebäude wurde aus besandeten Klinkern mit Tuffsteingewänden und -gesimsen errichtet. Die Sattel- und Mansardendächer sind mit Pfannen gedeckt. Der dreigeschossige Mittelbau liegt von der Straße zurückgesetzt mit östlich anschließender Turnhalle und Aula. Zur Hermannstraße hin befindet sich ein Westflügel. Die Wandflächen sind durch Gesimse, Lisenen und im Bereich der Eingänge durch Ziersetzungen gegliedert.


Das Ratsgymnasium bezeugt die Entwicklung des Schulwesens in Gladbeck. An der Erhaltung besteht wegen seiner baugeschichtlich interessanten Lage und als städtebauliche Marke an der Mittelstraße ein öffentliches Interesse.


10. Vinzenzheim (1908 – 10), Buersche Straße 25
Das Vinzenzheim ist ein zweigeschossiger, unterkellerter Putzbau unter einem Satteldach mit Falzziegeln. Er weist mittig ein Portal mit einer Freitreppe und einen Vorbau auf. Darüber sind ein Balkon mit Balustrade und ein polygonales, mit Schiefer gedecktes Dachhäuschen.


Nördlich und südlich schließen sich dreigeschossige Seitentrakte unter Mansarddächern und Zwerchhäusern an. Im südlichen Trakt ist im 1. Obergeschoss eine Kapelle. Die Fassade ist durch Gesimse, Lisenen, Eckpilaster und Fensterrahmen im so genannten Reformstil gegliedert. Besonders erhaltenswert sind die großflächig erhaltenen Fliesenbeläge aus der Entstehungszeit. Das rückwärtige moderne Erweiterungsgebäude ist nicht Bestand des Baudenkmals. Nördlich und östlich des Vinzenzheimes schließt sich eine Parkanlage an.Nördlich und südlich schließen sich dreigeschossige Seitentrakte unter Mansarddächern und Zwerchhäusern an. Im südlichen Trakt ist im 1. Obergeschoss eine Kapelle. Die Fassade ist durch Gesimse, Lisenen, Eckpilaster und Fensterrahmen im so genannten Reformstil gegliedert. Besonders erhaltenswert sind die großflächig erhaltenen Fliesenbeläge aus der Entstehungszeit. Das rückwärtige moderne Erweiterungsgebäude ist nicht Bestand des Baudenkmals. Nördlich und östlich des Vinzenzheimes schließt sich eine Parkanlage an.


Das Vinzenzheim, errichtet als katholisches Waisenhaus, bezeugt eine Facette des kirchlichen Sozialwesens in Gladbeck. Auch wegen seiner zeittypischen Architekturformen besteht an der Erhaltung ein öffentliches Interesse.


11 Bauernkotten Waldstraße 34 (17./18. Jahrhundert)
Das Kötterhaus ist ein Fachwerkgebäude mit Backsteinausfachungen unter einem Satteldach. Die Giebeldreiecke sind vorkragend und verbrettert. Sie weisen eine Tropfzahnung auf. Das Deelentorgestell ist schlicht. Westlich befinden sich eine Kübbung und ein eingeschossiger Fachwerkanbau. Das Gebäude weist alte Fenster auf und ist von alten Obstbäumen umgeben.

Das landschaftstypische Kötterhaus ist Dokument der landwirtschaftlichen Arbeits- und Produktionsverhältnisse. Wissenschaftliche und volkskundliche Gründe sprechen für eine Erhaltung.


13. Uhlandschule (1904) Horster Straße 98


Die Uhlandschule ist ein zweigeschossiges Putzgebäude auf einem hohen Kellersockel mit Quaderputz. Sie hat ein Satteldach. Die Erdgeschosszone zeigt Ziegelverblendungen. Nördlich befindet sich ein dreigeschossiger Seitenrisalit mit Dreiecksgiebel und profilierten Gesimsen. Die Schule besitzt eine sehr schöne Jugendstilholztür und von einer Einfriedigung aus der Bauzeit umgeben. Auf dem Schulhof wachsen alte Platanen.


Die Uhlandschule steht im Zusammenhang mit der Bergarbeitersiedlung Glückauf- und Diepenbrockstraße. Sie sollte aus wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen erhalten bleiben.


14. Villa Jovy (1927) Friedrichstraße 55; heute Volkshochschule
Das Gebäude ist ein von der Straße zurückliegender, unterkellerter zweigeschossiger Ziegelbau unter einem Walmdach. Die Mittelachse ist durch einen Treppenhausvorbau als Eingangsbereich betont. An der nordöstlichen Ecke ist ein halbrunder Vorbau. Südlich, zum früher parkähnlichen Garten mit altem Baumbestand, ist ein großer Vorbau mit dreiviertelkreisförmigen Grundriss. Dieser hat seitliche Treppenaufgänge und im Obergeschoss einen Balkon. Vereinzelt sind Ziegelziersetzungen vorhanden.


Die Villa Jovy ist bedeutend für die Stadt Gladbeck, weil hier der die Entwicklung der Stadt fördernde Bürgermeister Dr. Michael Jovy (vgl. Jovyplatz) bis zu seinem Tod 1931 wohnte. In einem Gebiet, wo bereits repräsentative Bauten standen, wurde ein repräsentativer Sitz für ihn gebaut. Sein Nachfolger, Dr. Bernhard Hackenberg, blieb bis zu seiner Flucht 1945 in der Villa. Nach dem Ende des Nazi-Regimes ließ sich hier zunächst die britische Militärverwaltung nieder. Anschließend beherbergte das Haus lange Jahre das Gesundheitsamt. 1983 zog die Volkshochschule ein.

Wegen seiner in expressionistischer Manier gestalteten Fassade und aus stadtgeschichtlichen Gründen besteht ein großes Interesse an der Erhaltung.


19. Amtsgericht (1915/16) Friedrichstraße 63
Das Amtsgericht ist ein dreigeschossiger schlichter Putzbau mit einem hohen Sockelgeschoss unter einem Walmdach. An den Enden sind kurze, zurückgesetzte Baukörper. Die Mitte wird durch eine Pfeilervorhalle mit einem vierachsigen Risalit mit Aufsatzgeschoss und Giebel betont. Die Formensprache ist neoklassizistisch mit wenigen modischen Details im Mittelteil.


Das Amtsgericht bildet an der Friedrichstraße gelegen, die östliche Verlängerung zum Jovyplatz mit Finanzamt und Polizeigebäude, der ursprünglich als von öffentlichen Bauten bestimmter monumentaler Architekturplatz gedacht war, der im östlichen Teil jedoch nicht entsprechend zum Abschluss gebracht wurde. In unmittelbarer Nähe befindet sich die ehemalige Bürgermeistervilla Jovy.

Das Amtsgericht ist für die Stadt Gladbeck bedeutend, weil es die Eigenständigkeit bzgl. der Gerichtsbarkeit bezeugt. Städtebauliche Gründe sprechen ebenfalls für die Erhaltung.


21. Polizeiamt (1924/25) Jovyplatz 6
Das ehemalige Polizeiamt nach Plänen der staatlichen Hochbauverwaltung als dreigeschossiger Putzbau mit einem Seitenflügel und zum Jovyplatz hin mit einer 14-achsigen Breitfront erbaut. Die Fronten weisen eine zweigeschosshohe Wandstreifengliederung auf. Die fünf mittleren Achsen werden durch ein niedriges Frontispiz hervorgehoben. Davor sind ein Portalrisalit und eine Freitreppe.

Das Gebäude ist zurückhaltend repräsentativ in ganz knappen neoklassizistischen Formen. In Hauptzügen ist es abgestimmt auf das kurz zuvor errichtete Finanzamt, zu dem es im rechten Winkel steht. Es bildet die Westwand des von öffentlichen Gebäuden bestimmten Jovyplatzes, der damals als repräsentativer Architekturplatz gedacht. Als westliche Platzwand bildet das Haus den Raumabschluss für die von Osten heran kommende Friedrichstraße und ist mit Treppe und Portal zugleich Zielpunkt. Damit kommt über seinen bemerkenswerten Eigencharakter eine besondere städtebauliche Bedeutung für Gladbeck zu.


23. bis 26 Beamtenwohnhäuser Jovyplatz 10, 12, 14, 16 (1920 - 24)




Es sind traufenständige, unterkellerte zweigeschossige Putzbauten unter mit Pfannen gedeckten Walmdächern. Die platzseitige Fassade ist entsprechend dem Straßenverlauf konvex geschwungen. Die strengen Fassaden werden durch polygonale Vorbauten, Blenderker mit Konsolen, Gesimse und Dachhäuschen gegliedert. Türen und Fenster sind original.


Die Objekte bezeugen die Wohnungsfürsorge der Stadt Gladbeck für städtische Bedienstete. Sie bilden als städtebauliches Gestaltungselement die südliche Begrenzung des Jovyplatzes.


35. Wohnhaus Heinrichstraße 21/21 a (1906)
Das Mietshaus ist ein traufenständiger, unterkellerter dreigeschossiger Putzbau unter einem mit Pfannen gedeckten Mansarddach; in der Erdgeschosszone mit Rustikaquaderung, in den Obergeschossen Glattputz. Die Mittelachse wird betont durch die Hauseingänge und darüber liegende Doppelbalkone mit interessanten Reliefs in den Brüstungen (Drachendarstellungen). Die obere Brüstung ist leider in Ziegelmauerwerk erneuert. Darüber ist ein breites Dachhaus mit einem bemerkenswerten Jugendstilgiebel. Seitliche Wandfelder sind mit Blendrisaliten ausgestattet, darüber schlichtere Dachhäuschen. Die Traufzone mit den Konsolen und die Fenster sind teilweise original.

Das Objekt bezeugt die Stadterweiterung im Zuge von Unternehmensgründungen und den Anschluss ans Eisenbahnnetz.


37. Ehrenmal im Wittringer Wald (1934)
Das Ehrenmal wurde kreisförmig aus Ruhrsandstein errichtet. Eine Arkade von 20 Metern Durchmesser mit 16 Spitzbögen begrenzt es außen. Die Anlage ist zum Mittelpunkt durch Stufen dreifach abgesenkt. Sie steigt dort wieder auf und nimmt auf einem Sockel einen 1943 aufgestellten aus Muschelkalk geschlagenen Kopf eines gefallenen Soldaten auf. An den Wänden sind inzwischen weitgehend verwitterte Tafeln aus Ruhrsandstein mit Namen der Gefallenen vor allem des 1. Weltkrieges. Ruhrsandstein verwittert relativ rasch.


Das Ehrenmal als Bestandteil eines Gedenkensembles im Wittringer Wald liegt am Nordrand eines Teiches, von dem aus eine breite Treppe zum Ehrenmal hochführt. Das Denkmal wurde nach Plänen des städtischen Baudezernenten und Bürgermeisters Richard Korn gestaltet.


41. Maschinenhalle Zweckel (1908/09) Frentroper Straße
Gladbecks Stadtgeschichte steht in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Bergbaus. In den 1870/80er Jahren wurden hier die ersten Schächte abgeteuft. Das vorwiegend landwirtschaftlich strukturierte Gebiet entwickelte sich rasch zu einer Bergbau- und Industriestadt. 1908 wurde die Doppelschachtanlage Zweckel abgeteuft, die zunächst „Zeche Potsdam“ hieß. Aus dieser Zeit stammen die beiden Fördergerüste, von denen nur das südliche Gerüst vollständig erhalten ist. Beide sind deutsche Strebengerüste, die in ihrer Ausführung identisch sind.

In den Gesamtzusammenhang der Anlage gehört die Maschinenhalle, eines der reizvollsten Denkmale des Maschinenzeitalters im Ruhrgebiet. Beeindruckend sind der schlossähnliche Charakter, die Dimensionen und die Formensprache des Jugendstils.


1963 wurde die Schachtanlage stillgelegt. Seit 1997 ist das Ensemble Eigentum der „Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur“. Die Maschinenhalle wird als temporärer Veranstaltungsort genutzt, auch von der Triennale.

Sie ist bedeutend für die Geschichte der Menschen und für die Stadt Gladbeck, weil sie anschaulich die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Entwicklung Gladbecks dokumentiert. Sie soll aus wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen erhalten werden.


42. Schlachthof: Wasserturm, 2 Wohnhäuser, Einfriedung (1907/08)
Von der ausgedehnten Schlachthofanlage mit zahlreichen Erweiterungs- und Umbauten sind als denkmalwertes Kulturgut anzusehen:
Wasserturm:
Es ist ein hoher Ziegelturm unter einem Satteldach mit Pfannendeckung und geschweiften Giebeln, das auf Ziegelkonsolen auskragt. Im oberen Bereich wird die Fassade durch Lisenen, Stahlsprossenfenster (in den Giebelfeldern Rundfenster) und Glattputzfelder gegliedert.


Toranlage:
Es sind beiderseits der Zufahrt zweigeschossige unterkellerte Ziegelgebäude auf Ziegelsockeln unter Walmdächern mit Pfannendeckung. Verschiedene Risalite, Eingangsvorbauten (teilweise in Holzkonstruktion mit verschieferten Dächern) Glattputzflächen gliedern die Fassade. Die Fenster sind teilweise original. Auf dem Vorplatz stehen alte Kastanien und Linden.


Einfriedung:
Sie besteht aus einem Eisenstaketzaun auf Ziegelmauersockel und Ziegeltorpfeilern.

Das Objekt bezeugt eine für die Versorgung der Bevölkerung wichtige Einrichtung.


43. Arbeitersiedlung Rentfort (1900/01) Kirchhellener Str. / Lohstraße / Hegestraße
1886 begannen die Abteufarbeiten der späteren Zeche Möller. In ihrer Nähe entstanden nach bewährtem Muster die Bergarbeiterwohnungen. Entworfen und gebaut hat diese Siedlung der Architekt Carl Grupe. Für Gladbeck entstand mit der Siedlung eine bedeutende städtebauliche Dominante. Von Kirchhellen kommend erlebt man eine Art „Torwirkung“, die von zwei trauständigen Eckhäusern ausgeht (Kirchhellener Straße 17 und 44). Dieser Eckbebauung schließen sich je acht giebelständige Häuser auf jeder Straßenseite an. Architektonisch sind die eingeschossigen Häuser an die typischen gründerzeitlichen Fachwerkbauten für Tagelöhner des 18. bis 19. Jahrhunderts angelehnt. Charakteristisch sind hohe Kellersockel und ein hoher Drempel. Die hierdurch entstandene architektonische Unvollkommenheit gleicht die Ziegeldekoration der Fassaden aus.


An den Giebelseiten fallen vom Kellersockel ausgehende Lisenen mit kapitellartigen „Füßen“ am Traufenabschluss auf. Den Giebelabschluss bildet eine Rollschicht aus Ziegeln. Darunter befindet sich ein treppenartiges Ziegeldekor als Schmuckelement. Die Fenster im unteren Giebelteil haben gebrochene Sturzabdeckungen, einen vorgetäuschten Schlussstein sowie seitliche Gewände in Ziegeln. Zwei Dachhäuser in der Fassade durchbrechen die Trauflinie. Im Straßenraum entsteht duch die dichte Giebelständigkeit und die architektonische Gestaltung ein geschlossenes Bild, axial zur Straße.


Von den Häusern an der Kirchhellener Straße weichen die Gebäude an der Loh- und Hegestraße ab. Gemeinsam ist allen Gebäuden eine begrünte Hof- bzw. Gartenfläche, die zu den Häusern durch Stallungen abgegrenzt wird. Die Architektur der Doppelhäuser an der Loh- und Hegestraße ist denen der typischen Siedlungshäuser zwar angeglichen, jedoch ist die Ziegelarchitektur nicht mehr so aufwändig gestaltet. Sie haben in der Mitte einen Zwerchgiebel, der wie die Seiten einen Krüppelwalm hat. Die Eckgebäude haben zur Ecke deutend je einen eigenen Giebel. Das Ziegeldekor wiederholt sich entsprechend der Siedlungshäuser. Freie Wandflächen sind mit Blindfenstern oder Ziegelschmuck versehen, um das notwendige architektonische Gleichgewicht in der Fassade zu halten.


Der Dokumentations- und Forschungswert der Siedlung ist sehr hoch. Veränderungen sind insbesondere in der Außenfassade nur minimal vorgenommen worden. Für die Erforschung der Bergbauvergangenheit des Reviers und der Stadt Gladbeck ist die Siedlung von unschätzbarem Wert. Die minimalen Veränderungen, die geschlossene Bebauung, der architektonische Gesamtentwurf aus einer Hand ermöglichen exakte historische Rückschlüsse. Die Siedlung dokumentiert den krassen Übergang von bäuerlichen zu industriellen Strukturen.


44. Berginspektion und Bergbaubeamtensiedlung Bernskamp (1905)
Für Gladbeck entstand mit der Siedlung Bernskamp eine interessante städtebauliche Komponente, die auch im heutigen Stadtbild eine herausragende Funktion übernimmt. Im gesamten baulichen Ensemble beherrscht die symmetrische Ausgestaltung und Platzierung der früheren Preußischen Berginspektion. Kreisförmig um diese Zentrale gruppieren sich Häuser, je nach Funktion der Bewohner mehr oder weniger aufwändig gestaltet. Absicht war, die berufliche Wertigkeit der Bewohner nach außen zu dokumentieren. In preußischer Zeit hatten die leitenden Mitarbeiter Beamtenstatus. Eingebettet in Grünanlagen und umgeben von großzügig bemessenen Grundstücken setzt sich dieser Bereich deutlich von der einfacher strukturierten Siedlung der Bergarbeiter ab.


1886 begannen die Abteufungsarbeiten der späteren Zeche „Möller“, die jedoch anfangs von August Thyssen als „Vereinigte Gladbeck“ betrieben wurde. In Ihrer Nähe entstand die Siedlung Bernskamp. Diese Siedlung ist ein gutes Beispiel für die damals übliche Trennung der Wohnbereiche von Arbeitern, Angestellten und Beamten des Bergbaus. Die Bergwerksgesellschaften stellten ihren oberen Rängen Symbole der Macht zur Verfügung.


Für den Gesamtbereich ergibt sich baulich und historisch ein deutlicher Stellenwert. Für die Darstellung und Erforschung der Bergbauvergangenheit des Reviers und insbesondere der Stadt Gladbeck ist die Siedlung von unschätzbarem Wert.


In der ehemaligen Berginspektion ist die Städtische Musikschule untergebracht.


45. Hofstelle Klaas, Enfieldstraße 82 (1755)
Die Hofstelle ist ein Fachwerkgebäude mit einem auf 1755 datierten Wirtschaftsteil mit Backsteinausfachungen. Das Satteldach ist mit Pfannen gedeckt, das Giebeldreieck verbrettert. Es bestehen ein seltener Vorschauer und ein Deelentorgestell mit Inschrift und Datierung. Das Fachwerkgerüst ist durch sich überkreuzende und über zwei Gefache gehende Streben ausgesteift. Die Dachbalken sind eingehälst und die Zwischenbalken eingezogen.

Die Hofstelle ist eines der ältesten Gebäude Gladbecks und bedeutend für die Wohn- Arbeits- und Produktionsverhältnisse im landwirtschaftlichen Bereich Gladbecks. An ihnen kann man sowohl innen wie auch außen das Wirtschaften im 18. Jahrhundert und die gestiegenen Platzbedürfnisse im 19. Jahrhundert ablesen. Die Gefügemerkmale sowie die Konstruktion mit dem seltenen Vorschauer geben Auskunft über das Bau- und Handwerkerwesen in Gladbeck und im Vest.

Für den Erhalt und die Nutzung sprechen auch volkskundliche Gründe; die Balkeninschrift ist für die Familienforschung von Bedeutung.


47. St. Lambertikirche (1897/99) Horster Straße 9
Es handelt sich um einen mächtigen Ziegelbau mit neugotischem Westturm unter einem Spitzhelm mit Ecktürmchen, die jeweils einen Dreiecksgiebel mit Arkaden und Uhr flankieren. Vorhanden sind plastische Darstellungen eines Posaunenengels auf einer Konsole unter einem Baldachin in Höhe der Schallarkaden.


Darunter, über dem großen Westfenster, ist eine Kreuzigungsgruppe. Architekt war Hilger Hertel d. J., dessen Kirchbauten viele Ortsbilder in Westfalen prägen.


Denkmalwert ist das Kirchengebäude mitsamt seiner wandfesten Ausstattung. St. Lambertus ist die Ursprungskirche Gladbecks, das von jeher katholisch war. Erst mit dem Kohlenbergbau entstand in Gladbeck eine evangelische Kirchengemeinde. Der Turm ist ein Wahrzeichen im Ortskern Gladbeck.


48. Katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz (1910/14) Horster Straße 133
mit Verbindungstrakt und Pfarrhaus
Die Pfarrkirche ist baulich die Kombination einer Basilika mit einem zehnseitigen Zentralbau. Als Konstruktion hat sie ein Stahlbetonskelett, das mit Mauerwerk ausgefüllt ist. Zwischen Kirche und Pfarrhaus ist ein Verbindungstrakt: ein zweigeschossiger Ziegelbau unter einem Walmdach mit einer westlich vorgelagerten Loggia und einmittig hoch aufragender Kirchturm.

Die Kirche bezeugt, dass Gladbeck in der Zeit nach dem Beginn der Kohlenförderung eine Bevölkerungsexplosion erlebt hat. Um den neu zugezogenen Arbeitskräften gerecht zu werden, wurden in Gladbeck gleichzeitig zwei neue kirchliche Zentren errichtet: Herz Jesu in Zweckel und Heilig Kreuz in Butendorf. Die Kirche Heilig Kreuz entwarf der Architekt Otto Müller-Jena aus Köln, der auch schon das Amtshaus (Rathaus) gebaut hatte. Im Baukonzept wurden Grundgedanken des Gladbecker Krankenhausrektors Johannes van Acken zum „Christozentrischen Kirchenbau“ verwirklicht. Sie ist eine der ersten Kirchen, die nicht mehr im neogotischen Stil errichtet wurden.


Die Kirche hat Ähnlichkeiten mit der romanischen Kirche St. Gereon in Köln (Kuppel) und der Hagia Sophia in Istanbul.

Im 2. Weltkrieg erlitt die Kirche Beschädigungen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Kirche nach Planen von Klaus Iserlohe im Innern und im Portalbereich umgestaltet. Die Kuppel und der Turm der Kirche sind von weitem sichtbar. Sie haben, auch wegen ihrer Nähe zur Autobahn A 2, für Gladbeck Wahrzeichencharakter und sind von städtebaulicher Bedeutung.

Die Kirche ist aus wissenschaftlichen und architekturgeschichtlichen Gründen erhaltenswert. Sie ist ein Beleg für die Stilentwicklung, das Bau- und Handwerkerwesen und die angewandten Bautechniken des 20. Jahrhunderts.


Die Kirche hat Ähnlichkeiten mit der romanischen Kirche St. Gereon in Köln (Kuppel) und der Hagia Sophia in Istanbul.

Im 2. Weltkrieg erlitt die Kirche Beschädigungen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde die Kirche nach Planen von Klaus Iserlohe im Innern und im Portalbereich umgestaltet. Die Kuppel und der Turm der Kirche sind von weitem sichtbar. Sie haben, auch wegen ihrer Nähe zur Autobahn A 2, für Gladbeck Wahrzeichencharakter und sind von städtebaulicher Bedeutung.

Die Kirche ist aus wissenschaftlichen und architekturgeschichtlichen Gründen erhaltenswert. Sie ist ein Beleg für die Stilentwicklung, das Bau- und Handwerkerwesen und die angewandten Bautechniken des 20. Jahrhunderts.


53. Stellwerk Abzweig Zweckel und Bahnschranken (1911) Haydnstraße 19
Das mechanische Stellwerk ist ein zweigeschossiges Gebäude über einem querrechteckigen Grundriss mit überkragendem, auf Balkenköpfen aufliegendem Flachdach. Die Ecken sind abgeschrägt. Es besteht im Erdgeschoss aus rotem Backstein. Das Obergeschoss ist auf drei Seiten mit Kunst-, auf der Gleis abgewandten Seite mit Naturschiefer verkleidet. Darunter befindet sich vermutlich Fachwerk. Das Obergeschoss wird auf einer der Schmalseiten über eine offene abgewinkelte Außentreppe erschlossen.


Im Stellwerksraum im Obergeschoss besteht die technische Ausstattung aus einer mechanischen Hebelbank der Bauart Scheidt & Bachmann mit fünf blauen Weichenhebeln, vier roten Signalhebeln – alle mit Doppeldrahtzug – sowie einer Freistelle mit einem grünen Streckenblockkasten der Firma Siemens. Weiter ist eine Schrankenkurbel zur Bedienung des Fußgängerüberweges Söllerstraße vorhanden. Im Erdgeschoss des Stellwerks ist der Spannwerksraum mit kompletter Spannwerksvorrichtung. Die Schranken Söllerstraße sind mit Gitterbehang versehen und Teil des Denkmals.

Das Stellwerk „Abzweig Zweckel“ ist wegen seiner technischen Ausstattung aus dem Jahre 1911 überaus bedeutend für die Entwicklung der deutschen Signaltechnik, speziell der mechanischen Sicherheitsstellwerke vor dem Ersten Weltkrieg.


55. Beamtenwohnhaus (1920/22) In der Dorfheide 10
Das nahezu unveränderte Endhaus einer ursprünglich symmetrisch aufgebauten Dreiergruppe wurde in den 1920er Jahren als Wohnhaus für höhere Beamte vom städtischen Bauamt geplant.

Das verputzte Haus ist zweigeschossig, der Eingangsbereich etwas zurückgesetzt. Darüber ist ein Balkon. Der links anschließende Gebäudeteil hat einen turmähnlichen, durchfensterten Eckbau, dessen flach verputzte Wände durch steinerne Dekorationen aufgelockert ist. Die Holzfenster sind aufwändig gestaltet.

Das Gebäude ist das Straßenbild prägend innerhalb des großen Ensembles, das mit der Bebauung des Jovyplatzes entstand. Es ist bedeutend für die Stadt Gladbeck, weil es ein selten gut überliefertes Haus aus der Zeit der Stadtwerdung ist und die Wohnverhältnisse der damaligen höheren städtischen Beamten belegt. Das Haus hat in seiner Grundrissstruktur sowie in der Materialwahl und Dekorationsvielfalt Zeugniswert für die Architektur der 1920er Jahre. Die Grundrissstruktur wurde beibehalten und geht zurück auf Vorstellungen des Historismus. Die äußere Gestalt hat eine Fülle von Details aus der Formensprache des Reformstils und des Expressionismus.

Das Haus wurde 2005 mit dem Stadtbildpreis ausgezeichnet.


56. Arbeiterwohnhaus Emmichstraße 4 – 22 (1911/12)
Das langgestreckte eingeschossige Gebäude mit Mansarddach wurde in neobarocker Form von der Zeche Mathias Stinnes für Bergarbeiter errichtet. Es besitzt 20 Geschosswohnungen, die jeweils über einen eigenen Eingang und ein eigenes Treppenhaus verfügen. Im Äußeren weist das Haus relativ wenig Schmuckformen auf, die im Wesentlichen an den Haustüren zu finden sind und in jugendstilhaft gehalten sind. Der Baukörper besitzt einen Mittelrisalit mit Tordurchfahrt, sowie zwei seitliche, weit vorgezogene Risalitbauten, so dass das Haus einen „Vorhof“ umschließt. Der Blick durch den Torbogen wird von einem freistehenden Stallgebäude begrenzt, das hier offensichtlich in gestalterischer Absicht platziert worden ist.


Das Gebäude gehört zu den gut erhaltenen Gebäuden der ehemaligen Zeche Mathias Stinnes, die die Entwicklung Braucks entscheidend mit beeinflusste. Wegen seiner bau- und sozialgeschichtlichen Bedeutung ist es erhaltenswert. Es ist ein sprechendes Beispiel für den Versuch, eine hohe Anzahl Wohnungen als vollständig separate Wohneinheit innerhalb eines Gebäudes zu errichten. Die Einrichtung eigener Hauseingänge und Treppenhäuser führte zu erheblichen Mehraufwand an Platz und Arbeit. Hintergrund war der Wunsch der Zechenleitung, Streitigkeiten zwischen den Mietern schon durch die bauliche Struktur vorzubeugen, sowie die Absicht, die Wohnungen durch ihre strikte Trennung repräsentativer zu gestalten. Diese Bauprinzipien wurden zwischen 1900 und 1914 vielfach angewandt, finden in diesem Beispiel in Brauck aber eine besonders anschauliche Ausprägung.


58. Freibad (1926 – 31) Schützenstraße 120
Denkmalwert ist das Umkleide- und Wirtschaftsgebäude. Die Becken selbst, das neuere Umkleidegebäude und die Verglasung des Flures vor den Umkleideräumen sind nicht Teil des Denkmals.

Das Freibad, nördlich der Vestischen Kampfbahn (Stadion) gelegen, bildet mit dieser zusammen ein umfangreiches Sportgelände. Die Schwimmbäder (1926) und Gebäude (1927) wurden nach Entwürfen des Stadtbauamtes fertig gestellt. Seit einem Umbau 1962, bei dem die Grundrissstruktur der Becken geändert wurde, ist die Schwimmbahn nicht mehr vorhanden. Von der Schützenstraße aus stellt sich das Gebäude wie ein lang gestreckter Gebäudekomplex in Ziegelbauweise unter Flachdächern dar. Es hat einen eingeschossigen Mitteltrakt, flankiert von zwei zweigeschossigen Bauteilen. Auf dem Mitteltrakt sind Dachterrassen. Die Wandfläche wird durch Sprossenfenster und umlaufende Kunststeingesimse gegliedert. Die Wandkompartimente zwischen den Geschossfenstern sind scharriert. Zum Schwimmbecken hin wurde der offene Flur vor den Umkleideräumen mit Glas verschlossen.

Das Gebäude wurde bewusst in einfachen kubischen Formen mit zurückhaltender expressionistischer Detailausführung errichtet. Innerhalb der Reihe der in den 1920er Jahren in Westfalen entstandenen vergleichbaren Anlagen nimmt es eine wichtige Rolle ein.

Das Freibad ist bedeutend, weil durch den Bau des Bades und der dazu gehörigen Gebäude sowie der unmittelbaren Nähe zur Vestischen Kampfbahn in Gladbeck ein zeittypischer und fortschrittlicher Sportkomplex entstanden, der über Jahrzehnte der körperlichen Ertüchtigung in Gladbeck diente. Städtebauliche Gründe sind, dass das Gebäude und das Bad in die Freizeitanlage Wittringer Wald / Vestische Kampfbahn eingebunden ist und in einen großen Komplex mit Sportangebot und Grünzone in einem stark besiedelten Gebiet bilden.


59 Ehemaliges Postamt (1926) Humboldtstraße 2
Das Gebäude ist zur Humboldtstraße hin eine giebelständiger dreigeschossiger dunkler Klinkerbau in expressionistisch orientierter Backsteinbauweise mit Satteldach. Die Giebelseiten sind als Treppengiebel ausgebildet. Der Nordgiebel hat ein Rundbogenportal mit stilisierten Reichsadler und dem Schriftzug „Postamt“. Die straßenseitige Traufseite zeigt im Erdgeschoss Blendarkaden, die im oberen Drittel als Fenster ausgebildet sind. Jedem Rundbogen ist ein Fensterpaar im ersten und zweiten Geschoss sowie eine Dachgaube im Dachbereich zugeordnet.


Denkmalwert sind die Kubatur, die Fassade, das konstruktive Innengerüst und das Treppenhaus. Das Gebäude ist ein Beleg für die Stadtentwicklung, die in den 1920er Jahren rasant voran schritt mit einem großen Bedarf an öffentlichen Gebäuden. Es belegt auch die Arbeits- und Produktionsverhältnisse in Gladbeck sowie die Entwicklung des neueren Stadtkerns, die um 1910 mit dem Bau des Rathauses begann.