Haus Wittringen


Wasserschloß

Zur Geschichte des Hauses Wittringen

Siehe auch die Bildtafel im Innenhof Wittringen neben der Vogelinsel!

1263   Ludolfus de Witteringe wird erstmals urkundlich erwähnt. Er stammte von der Burg Horst im Bruche (Horst-Emscher). Diese wiederum kamen von Horst an der Ruhr (Essen-Burgaltendorf).
Man nimmt an, dass er zunächst den Ellinghorst-Hof (Horst bei den Erlen), nahe dem heutigen Hotel Gladbeck, gegründet hat, wegen der günstigeren Bedingungen für eine Wasserburg aber die Burg Wittringen erbaute. Auf der jetzigen Vogelinsel sind Reste einer Motte (befestigter Hügel mit Wohnturm) gefunden worden.  
1287   Zwei Söhne des Ludolfus übertragen dem Kloster Sterkrade zwei Höfe in Kirchhellen.  
1347   Philipp von Wittringen wird Lehnsmann des Grafen Dietrich von Kleve. Das Lehensverhältnis bleibt bis 1813.

Um 1400 ist Wittringen im Besitz der Brüder „Hinrich und Reyser von Bratbeke geheiten van Witterinch“. Die Brabecker (gelegen nahe der Auffahrt Gladbeck auf die A 31) führen in ihrem Wappen drei Wolfsangeln.  
1438   belehnt Herzog Adolf von Kleve den Ernst von Oeffte, den Schwiegersohn des Hinrich van Witterinch mit der Hälfte von Wittringen. (Haus Oeffte liegt an der Ruhr zwischen Werden und Kettwig).  
1540 - 1697   waren die Herren von Capellen, die vom Niederrhein stammten, Besitzer von
Wittringen.  
1642   Wittringen wird im 30-jährigen Krieg durch die Hessen zerstört (Brand), anschließend, ca 1650, in der heutigen Gestalt wieder aufgebaut.  
1697   wird Wittringen Eigentum der Familie Vittinghoff-Schell in Rellinghausen bei Essen.

Die Familie hat Wittringen nie bewohnt, sondern verpachtet und hat nicht investiert. Entsprechend verkam der Besitz. 1880 trug man das Obergeschoss wegen Baufälligkeit ab und setzte das Dach auf den verbliebenen Gebäuderest.  
1922   kaufte die Stadt Gladbeck Haus Wittringen mit dem umliegenden Ländereien. Der Wald war durch Bergbau-Einwirkungen versumpft, Wittringen kaum mehr als eine Ruine. Der Stadtwald wurde zu einer Naherholungsstätte mit Grünanlagen, Freibad, Stadion, Ehrenmal, Tennisplätzen und Spielplätzen ausgebaut.
Das Herrenhaus wurde bis auf das Kellergeschoss abgetragen und nach Plänen, die man im Archiv des Schlosses Hugenpoet (bei Kettwig) fand, neu aufgebaut. Es beherbergt heute das Museum der Stadt Gladbeck. Das Torhaus von 1706 (siehe Gebäudeanker im Innenhof) blieb weitgehend erhalten. Die Wirtschaftsgebäude auf der größeren Insel wurden abgebrochen und durch ein Restaurantgebäude „im Stil der niederrheinischen Renaissance“ ersetzt.
In der 1950-er und 1960-er Jahren kamen das Aquarium und die Nutzung der kleineren Insel als Vogelinsel hinzu.
Der Wittringer Mühlenbach (lange Zeit Abwasservorfluter neben der Marathonbahn) speiste früher die Gräfte. Nach dem Abteufen der Zeche Graf Moltke leitete diese ihre salzhaltigen Grubenwässer in den Bach. Damals wies das Wasser in der Gräfte einen höheren Salzgehalt auf als die Nordsee.
Am nordwestlichen Rand des Teiches stand die Wittringer Mühle. Der Mühlstein ist an der Stelle noch erhalten. Mühlen waren für die adligen Grundherren eine wichtige Einnahmequelle, denn die hörigen Bauern mussten dort ihr Korn mahlen lassen. Den Tarif bestimmte der Grundherr.

Heinz Enxing

Literatur: Haus Wittringen (aus der Reihe „Westfälische Kunststätten) zu haben im Museum.