Gladbecker Friedhöfe


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Gladbecker Friedhöfe Wernecke
Skulptur von Gottfried Kappen (Foto Heinz Enxing)

Die Stadt Gladbeck unterhält drei kommunale Friedhöfe, wobei der Hauptfriedhof in Gladbeck-Mitte auch einen katholischen Teil hat.

Die drei Gladbecker Friedhöfe

  1. Friedhof Gladbeck-Mitte
  2. Friedhof Gladbeck-Brauck
  3. Friedhof Gladbeck-Rentfort

„Stätten der Trauer, Orte der Erinnerung, Gedenkstätten, Spiegelbilder der Stadtgeschichte, Orte, die zur Nachdenklichkeit mahnen, grüne Oasen, Kunstorte, Lebensraum für zahlreiche Tierarten, Begegnungsorte, Arbeitsplätze: All das sind Friedhöfe und noch viel mehr.“

So schreibt Heinz Enxing treffend in seinem Artikel Friedhöfe spiegeln Stadtgeschichte, nachzulesen in der Zeitschrift Gladbeck Unsere Stadt (siehe unten).

Eine ausführliche Darstellung der Kulturgeschichte der Gladbecker Friedhöfe bietet Katrin Bürgel, Gladbecks Stadtarchivarin, in ihrer Broschüre „Die Friedhöfe Gladbecks als Erinnerungsstätten“ (siehe unten). Diese Publikation bildet auch die wesentliche Grundlage für die folgenden Ausführungen.

Vorgeschichte

Den ältesten bekannten Friedhof in Gladbeck entdeckte man 1936 bei Ausschachtungsarbeiten für einen Kanal in Ellinghorst. Über 200 Urnen wurden in dem Gräberfeld gefunden, die aus der Spätbronzezeit (ca. 1.300 – 800 v. Chr.) stammen. Diese Urnen, die auch den ersten Siedlungsnachweis für Gladbeck in frühgeschichtlicher Zeit bieten, werden heute zum Teil im städtischen Museum in Wittringen ausgestellt.

In den frühen Jahren Gladbecks war der Friedhof um die St. Lamberti-Kirche herum angelegt. Das Beinhaus grenzte an die Kirche. Vermutlich entstand dieser traditionell auch als „Kirchhof“ bezeichnete christliche Friedhof mit der Gründung von St. Lamberti in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts reichte der Platz um die Kirche nicht mehr aus. Außerdem wurde festgestellt, dass sich der Friedhof zu dicht an die Wohnhäuser ausdehnte. Daraufhin wurde ein neuer katholischer Friedhof mit größerer Fläche auf der so genannten „Hilgenbredde“ in der Nähe des heutigen Bahnhofs Gladbeck Ost angelegt und 1831 eingeweiht.

Auch dieser Friedhof wurde innerhalb weniger Jahrzehnte zu klein, weil durch den beginnenden Bergbau ab den 1870er Jahren und die fortschreitende Industrialisierung immer mehr Menschen nach Gladbeck zuwanderten. Der alte Friedhof an der Bahnhofstraße wurde deshalb 1888 geschlossen. Um 1960 erfolgte seine Einebnung und 1967 die Überbauung. Eine neue, große Fläche an der Linden- und Bahnhofstraße wurde vom späteren 19. Jahrhundert an für Begräbnisse genutzt, der heutige Zentralfriedhof in Gladbeck-Mitte.

Friedhof Gladbeck-Mitte

Feldhauser Straße 24, 45964 Gladbeck

Dieser Hauptfriedhof bzw. Zentralfriedhof Gladbecks besteht aus einem städtischen und einem katholischen Teil, dem „Katholischen Friedhof St. Lamberti“, wobei der städtische Anteil auch den Kriegsgräberfriedhof, Felder für verstorbene Kriegsgefangene und Fremdarbeiter sowie den jüdischen Friedhof umfasst. Genehmigt wurde die Einrichtung des Friedhofs durch die Gemeindevertretung im Jahr 1887, also in der wilhelminischen Kaiserzeit, als Gladbeck noch den Status eines „Amtes“ hatte. Am 15.7.1888 fand die Einweihung statt. In der Folgezeit wurde der Friedhof mehrmals erweitert. Die historische Trauerhalle entstand in den Jahren 1925 und 1926. Seit 2018 kann die neue, moderne Trauerhalle genutzt werden.

„Ehrengräber“ erhielten der erste Gladbecker Amtmann Heinrich Korte (1853 – 1927), der Schriftsteller Sigismund von Radecki (1891 – 1970) und die 1949 verunglückten sechs Bergleute der „Zeche Graf Moltke III/IV“.

Gladbecker Friedhöfe Ehrengrab
Ehrengrab von Heinrich Korte (Foto: Heinz Enxing)
Gladbecker Friedhöfe Ehrengrab Bergleute
Ehrengrab der sechs verunglückten Bergleute der „Zeche Graf Moltke III/IV“ (Foto: Heinz Enxing)

Ehrenfriedhof

Im östlichen Teil des Friedhofs befindet sich der „Ehrenfriedhof“ mit den drei großen Steinkreuzen, auf dem an die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs erinnert wird. Hier finden sich Gräber deutscher und ausländischer Soldaten, von ausländischen Kriegsgefangenen, von Toten des „Märzaufstands“ im Jahr 1920 sowie von Opfern der Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs. Außerdem befinden sich im Norden des Friedhofs an der Feldhauser Straße und vor dem Lagerplatz an der Konrad-Adenauer-Allee Gräberfelder von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern des Zweiten Weltkriegs, vornehmlich aus dem Osten Europas.

Gladbecker Friedhöfe Kriegsgräber
„Ehrenfriedhof“ mit den Opfern des Ersten und Zweiten Weltkriegs (Foto: Heinz Enxing)

Auf dem Friedhof gibt es im Nordwesten auch einen kleinen jüdischen Friedhofsteil. Zwischen 1923 und 1937 wurde er belegt, es sind 31 Beerdigungen verzeichnet. Danach wurde hier noch Dr. Bernhard Preminger (1921 – 2006) begraben. Der Friedhof, der seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz steht, ist für zukünftige Bestattungen offen.

Auf dem Friedhof in Gladbeck-Mitte – wie auch auf den beiden anderen kommunalen Friedhöfen in Brauck und Rentfort – besteht die Möglichkeit, sich anonym bestatten zu lassen. Hier und auf dem katholischen Lamberti-Friedhof gibt es zudem Gräberfelder, bei denen die Namen der Verstorbenen auf Gedenksäulen und Gedenksteinen festgehalten sind. Dahinter steht der Gedanke, dass jeder Mensch einen Namen hat, der über den Tod hinaus sichtbar bleiben sollte.

Schon seit einigen Jahren ist auf den Friedhöfen zu beobachten, dass es immer mehr Urnenbestattungen gibt. Dafür bieten die drei kommunalen Friedhöfe spezielle Urnenschränke. In der Tradition der christlichen Begräbniskultur sind auf dem Lamberti-Friedhof weiterhin nur Erdbestattungen zugelassen, auch für Urnen.

Denkmale aufgegebener Grabstellen

Auf den Gladbecker Friedhöfen gibt es zahlreiche beeindruckende Denkmale aufgegebener Grabstellen. Das gilt insbesondere für den Lamberti-Friedhof. Einige dieser bemerkenswerten Grabdenkmäler dort zeigt Heinz Enxing auf den Seiten 26 und 27 seines bereits erwähnten Artikels. Diese Grabdenkmäler sind kulturgeschichtliche Zeugnisse einer früheren Friedhofskultur, die für die Nachwelt erhalten bleiben, manchmal an originaler Stelle oder auch als Sammlung wie am Friedhofseingang Lindenstraße.

Gladbecker Friedhöfe Ältestes Grabdenkmal
Ältestes Grabmal für Küster und Postverwalter Norpoth (Foto: Heinz Enxing)
Gladbecker Friedhöfe Familiengrabstätte
Alte Familiengrabstätte (Foto: Heinz Enxing)

Friedhof Gladbeck-Brauck

Behmerstraße 58, 45968 Gladbeck (erreichbar über die Stettiner Straße)

Am 23.3.1911 wurde mit der Belegung dieses kommunalen Friedhofs im Gladbecker Süden begonnen. Im Laufe der Jahre folgten mehrere Erweiterungen. 1952 entstand die schöne Trauerhalle, die 1959 vergrößert wurde. Seit 1998 gibt es auf dem weitläufigen Friedhofsgelände auch ein gesondertes islamisches Gräberfeld, das optisch durch eine andere Begräbniskultur auffällt. Das älteste Grab dort stammt aus dem Jahr 2001. Hier sind auch Aleviten beigesetzt. Außerdem wurde 2015 ein jesidisches Gräberfeld angelegt. Dazu bietet der Friedhof auch ein gestaltungsfreies Gräberfeld für Angehörige sonstiger Religionsgemeinschaften.

Auf diesem Friedhof in Brauck sind auch Opfer des „Spartakusaufstands“ (1919), des „Märzaufstands“ (1920) und der „Ruhrbesetzung“ (1923) beerdigt. Daneben gibt es noch ein Gräberfeld für 215 sowjetische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs, darunter 19 Kinder.

Friedhof Gladbeck-Rentfort

Ziegeleistraße 53, 45966 Gladbeck

Im Norden Gladbecks befindet sich dieser schöne kommunale Friedhof. Am 13.11.1912 gab es dort die erste Belegung. Die Trauerhalle mit den markanten Rundbögen wurde 1958 errichtet. In den 1960er Jahren wurde der Friedhof umgestaltet und erhielt seinen jetzigen Charakter als großzügige Parkanlage.

Als Alternative zur klassischen Grabstätte wünschen immer mehr Menschen die Bestattung in einem „Friedwald“. Diese Möglichkeit bietet seit einiger Zeit auch der Friedhof in Rentfort.

Führungen

Sind Sie an einem geführten Rundgang über den Friedhof Gladbeck-Mitte interessiert? Etwa ein- bis zweimal im Jahr führen Volkshochschule und Verein für Orts- und Heimatkunde gemeinsam öffentliche Führungen durch. Sie werden von Heinz Enxing geleitet und dauern ca. 2 Stunden. Nähere Informationen dazu erhalten Sie in der VHS-Geschäftsstelle: Tel. 02043 / 99 24 15.

Wenn Sie privat – auch mit einer kleineren Gruppe – eine Führung buchen möchten, wenden Sie sich dazu bitte per E-Mail an den Verein für Orts- und Heimatkunde:

Der Preis der privaten Führung liegt bei 40,00 Euro.

Literatur zu den Gladbecker Friedhöfen:

Katrin Bürgel: „Die Friedhöfe Gladbecks als Erinnerungsstätten“, Gladbeck 2019.
Hrsg. Stadt Gladbeck/Stadtarchiv.

Heinz Enxing: „Friedhöfe spiegeln Stadtgeschichte.“ In: „Gladbeck Unsere Stadt“, Jahrgang 2020, Heft 3, Seiten 25 – 27.


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