Unbekanntes Gladbeck – Folge 3


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Unbekanntes Friedenstraße 53
Spruch an der Friedenstraße 53 (Foto: Heinz Enxing)

Wo soll es in dem kleinen und überschaubaren Gladbeck Unbekanntes und Kurioses geben? Wir wollen Ihnen Dinge zeigen und erklären, die Ihnen vielleicht noch nie aufgefallen sind.

Unbekanntes in Gladbeck entdecken

In der neuen Rubrik „Unbekanntes Gladbeck“ sind wir nicht nur auf der Suche nach versteckten Orten in der Stadt, die man schnell übersieht, sondern auch nach interessanten Kuriositäten. Schauen Sie mal hinein, was wir bisher zusammengetragen haben.

Und, haben Sie vielleicht auch einen (Geheim-)Tipp für „Unbekanntes in Gladbeck“?

Dann wenden Sie sich an Wolfgang Keuterling, den Vorsitzenden unseres Vereins für Orts- und Heimatkunde Gladbeck:

E-Mail:
Tel. 0 20 43 / 44 48 7

Besonders freuen wir uns, wenn Sie auch gleich einen kurzen Text und ein Foto zur Verfügung stellen können.

Inhaltsverzeichnis Folge 3

Die klugen Sprüche an Gladbecker Häusern

Die Straße mit den zwei Straßennamen

Die Straße mit gegenläufiger Hausnummerierung und zwei Abwassersystemen

Den Sportplatz in zwei Städten

Den Handwerksbetrieb, der in Gladbeck und in Buer liegt

Kennen Sie die klugen Sprüche an Gladbecker Häusern?

Die Friedenstraße ist eine ganz normale Straße mit gewöhnlichen Mietshäusern rechts und links. Doch an einigen dieser Häuser gibt es Kurioses zu entdecken: So werden den Passanten kluge Sprüche mit auf dem Weg gegeben.

So steht über dem Haus Friedenstr. 49 folgender Spruch:

Ernst ist das Leben
Heiter die Kunst
Doch besser wär’s eben
Es gäb ein Haus umsunst

Friedenstr. 49
Unbekanntes Friedenstraße 49
(Foto: Heinz Enxing)

Auch am nächsten Haus, Friedenstr. 51, gibt es einen klugen Spruch zu lesen.

Warum stehst Du davor,
Ist nicht Türe da und Tor?
Komm nur hier getrost herein
Wirst dann sehr willkommen sein

Friedenstr. 51
Unbekanntes Friedenstraße 51
(Foto: Heinz Enxing)

Und nur ein Haus weiter, Friedenstr. 53, ist dieser Spruch zu lesen.

Wenn dies Haus solange steht
Bis aller Hass und Neid vergeht
Dann wird’s fürwahr so lange stehn
Bis das die Welt wird untergehn.

Friedenstr. 53
Kurioses Friedenstraße 53
Foto: Heinz Enxing
Unbekanntes Friedenstraße Ortsangabe

Das rote Viereck kennzeichnet die Lage der Häuser Friedenstr. 49 bis 53 mit den klugen Sprüchen.

Diese Sinnsprüche erinnern an den Gastwirt Heinrich Thiele. Etwa um 1900 erwarb er zunächst Bauland an der Bismarckstraße (später Friedenstraße) und erichtete hier mehrere Mietshäuser, deren schmucklose Fassade er mit eigens kreierten Lebensweisheiten schmückte. An der Ecke Friedenstraße / Sandstraße betrieb er jahrelang den „Gasthof Thiele“, der auch als Künstlertreff diente. Er war der einzige Gastronom in Gladbeck, der die Erlaubnis hatte, die SPD in seinen Räumen tagen zu lassen. Das Gebäude gibt es nicht mehr.

Unbekanntes im Jammerkrug

1923 verkaufte Heinrich Thiele seinen Gasthof an die Stadt, die dort die Berufsschule einrichtete. Er baute einige Straßen weiter in der unmittelbaren Umgebung des Polizei- und Finanzamtes sowie des Amtsgerichts eine andere Gaststätte, den „Jammerkrug“. Hier konnten die von den Behörden Geplagten dem Wirt ihr Herz ausschütten oder -noch besser- ihre Wut im Glas ertränken. Auch hier liess Heinrich Thiele im Schankraum auf einem Wandfries einen Spruch anbringen, der heute nicht mehr vorhanden ist:

Wer seinen letzten Heller zum Finanzamt trug,
Der bleibe fern dem Jammerkrug!
Denn wenn du nichts mehr hast, du Lump,
Dann lasse dich begraben!
Das Jammern schickt sich nur für die,
Die noch etwas haben.

Die Straße mit den zwei Straßennamen

Vielen Unbekanntes gibt es an der Ecke Dechenstraße / Arenbergstraße zu entdecken. Dort befindet sich dieses Straßenschild, das für die nach Norden abgehende Straße zwei Straßennamen ausweist.

Zwei Straßenschilder für eine Straße (Foto: Heinz Enxing)

Die Stadtgrenze zwischen Bottrop und Gladbeck verläuft hier zwischen den Häusern auf der westlichen (linken Seite) und der Straße. Somit liegen diese Häuser am Liboriweg in Bottrop. Die Häuser auf der östlichen Seite hingegen gehören zu Gladbeck und liegen an der Arenbergstraße.

In den ersten Jahren nach Fertigstellung der Häuser hatten auch die Gebäude in Bottrop alle eine Gladbecker Adresse (Arenbergstraße).

Unbekanntes Arenbergstraße Ortsangabe

Der Kartenausschnitt unten zeigt den Verlauf der Stadtgrenze zwischen Bottrop und Gladbeck. Der rote Punkt kennzeichnet den Standort der beiden Straßenschilder.

Eine Straße mit gegenläufiger Hausnummerierung und zwei Abwassersystemen

Eine andere Straße hat gleich zweifach Kurioses zu bieten. Am Scheideweg liegen die Häuser auf der südlichen Seite in Gladbeck, die Gebäude nördlich sind im Gelsenkirchener Stadtteil Scholven. So kommen noch heute jeweils Gelsenkirchener und Gladbecker Postboten, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Lieferanten und auch Polizei und Feuerwehr.

Beim Unterhalt und bei Reparaturen müssen sich die Städte Gladbeck und Gelsenkirchen absprechen. Das funktioniert auch. Schwieriger ist es für Besucher oder Lieferanten ein bestimmtes Haus zu finden, denn die Hausnummern sind gegenläufig.

Als die Straße gebaut wurde, einigten sich die beiden Städte, wer die geraden Hausnummern bekäme (Gladbeck) und wer die ungeraden. Nicht einig wurde man sich, an welchem Ende die Zählung anfängt. Meist beginnt man an dem Ende, das der Stadtmitte am nächsten liegt. So auch hier. Da aber die Stadtmitten von Gladbeck und (damals) Buer ein Stück auseinander liegen, beginnt Gladbeck mit der Hausnummer 2 nahe der Bohnekampstraße, Gelsenkirchen mit der Nummer 1 am anderen Ende nahe der Gaststätte „Zur Erholung“. So liegen die Hausnummern 3 (Gelsenkirchen) und 198 (Gladbeck) genau gegenüber.

Ein weiteres Kuriosum ist, dass es auf dem Teilstück zwischen Bülser Straße und Zechenbahnbrücke sogar zwei Abwasserkanäle gibt. Nahe dem Haus Scheideweg 106 findet man in einem Abstand von etwa drei Metern zwei Kanaldeckel zu zwei unterschiedlichen Abwasserkanälen.

Unbekanntes Zwei Kanaldeckel
Dicht nebeneinander, Gladbecker und Gelsenkirchener Kanaldeckel (Foto: Heinz Enxing)

Das hängt damit zusammen, dass auf der Gelsenkirchener Seite nur ehemalige Zechenhäuser stehen. Beim Bau der Siedlung gehörte der Zeche Scholven alles: die Häuser, die Straßen, Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen und die Leute sowieso. Auf der Gladbecker Seite gab es nur private Häuser.

Unbekanntes Kanaldeckel Scheideweg Ortsangabe

Im Kartenausschnitt unten ist der Verlauf der Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Gelsenkirchen-Scholven am Scheideweg erkennbar. Der rote Punkt zeigt, wo die beiden Kanaldeckel liegen, die zu unterschiedlichen Abwasserkanälen gehören.

Unbekanntes Gladbeck – ein Sportplatz in zwei Städten

In Brauck, am Fuß der Halde 19, von der aus man einen hervorragenden Rundblick genießen kann, gibt es einen Sportplatz, durch den die Stadtgrenze Gladbeck / Essen verläuft. Ein Drittel der Platzfläche mit einem Tor liegt in Essen-Karnap, der Rest mit dem anderen Tor auf Gladbecker Gebiet. Der Platz wird vom ZBG Gladbeck gepflegt, denn dort spielen Gladbecker Fußballer des Vereins FSM Gladbeck 2015.

Unbekanntes Sportplatz am Busfortshof
Sportplatz auf der Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Essen (Foto: Heinz Enxing)

Hier eine Frage für unsere zahlreichen Fußballexperten:
Wenn der Torwart des Gladbecker Vereins FSM Gladbeck 2015 in dem Tor steht, das auf Essener Gebiet liegt, hat er dann ein Auswärtsspiel?

Unbekanntes Sportplatz Ortsangabe

Der Kartenausschnitt unten zeigt den Verlauf der Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Essen sowie Bottrop und Gelsenkirchen. Der Sportplatz auf der Stadtgrenze ist im roten Rechteck.

Ein Handwerksbetrieb, der in Gladbeck und in Buer liegt

Nicht weniger Unbekanntes gibt es über den Betrieb Karosseriebau Tenbusch in Zweckel zu sagen. Er hat zwei Adressen: Im Winkel 32 in Gelsenkirchen und Rottstraße 12 in Gladbeck, und natürlich kommen täglich der Gladbecker und der Gelsenkirchener Postbote. Ebenso wollen beide Städte Steuern kassieren.

Unbekanntes Fa. Tenbusch
Die Werkstatt der Firma Tenbusch: durch die Tür links mit den sechs Scheiben verläuft die Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Gelsenkirchen-Buer (Foto: Heinz Enxing)

Karosseriebau Tenbusch, gegründet 1839, ist der älteste Handwerksbetrieb Gladbecks, obwohl Wohnhaus und Werkstatt früher nur in (Gelsenkirchen-) Buer an der Straße „Im Winkel“ lagen. Doch Stellmacher (Wagenbauer) Tenbusch hatte die meisten bäuerlichen Kunden in Gladbeck und darum auch einen Gladbecker Telefonanschluss. Kunden in Nachbarstädten, z. B. in Buer, Kirchhellen oder Dorsten konnte man damals telefonisch nur mit – teuren – Ferngesprächen erreichen. Ein Problem war, dass Telefon und Anschlussdose auf Gelsenkirchener Gebiet lagen. Irgendwann verlangte die Post, dass Tenbusch darum einen Gelsenkirchener Anschluss haben müsse, der das aber mit Hinweis auf die Kosten für seine Kunden ablehnte.

Bei einem Ortstermin fand sich eine Lösung: Die Telefonanschlussdose wurde an einem kleinen in Gladbeck liegenden Nebengebäude angebracht. Das Telefon konnte mithilfe einer längeren Leitung dort bleiben, wo es immer hing, in der Küche. Nun musste das kleine Gebäude aber eine Gladbecker Adresse haben. Es liegt am Anfang der Rottstraße und hätte – wenn überhaupt – die Hausnummer 2 haben müssen. Die Handwerker fanden in ihrem Werkzeugkasten aber nur eine 12 und nagelten sie an den Fachwerkschuppen.

Unbekanntes Fa. Tenbusch Ortsangabe

Das rote Reckeck in dem Kartenausschnitt unten umrahmt das Gebäude, durch das die Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Gelsenkirchen-Buer in Nord-Süd Richtung verläuft.

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    Zugegeben, eine steile These. Wo soll es in dem kleinen und überschaubaren Gladbeck noch Unbekanntes geben, an dem man sehr oft einfach achtlos vorbeigeht.
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