Gladbeck, einst und jetzt


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Rathaus um 1920
Rathaus um 1920, Foto: StA Gla_FA 7-9_Rathaus

„Nichts ist beständiger als der Wandel“, heißt es. Das gilt sicherlich auch für die Entwicklung Gladbecks. Deutlich wird diese fortschreitende Entwicklung beim Blick auf die nachfolgende Fotogalerie „Gladbeck einst und jetzt“. Zu sehen sind Ansichten vom Rathaus, der Hochstraße, dem Marktplatz und dem Jovyplatz im Verlauf der letzten Jahrzehnte.
Aber schauen Sie selbst!

Das Dorf Gladbeck

Gladbeck ist jahrhundertelang eine bäuerliche katholische Streusiedlung aus gut 80 Fachwerkhäusern mit der kleinen Kirche St. Lamberti im Dorfkern, dazu noch etwa 200 Bauernhöfe und Kotten verstreut über die fünf Bauerschaften Butendorf, Brauck, Zweckel, Rentfort und Ellinghorst. Damals leben hier ungefähr 2.700 Menschen.

Auf dem Grund des Bauern Schulte-Rentrop beginnen 1873 die Abteufarbeiten für den Schacht der ersten Zeche in Gladbeck. Sie trägt zunächst den Namen „Zeche Rieckchen“ nach dem Grubenfeld, auf dem die Tagesanlagen errichtet werden. Die Grube liegt an der Horster Straße nur einige Hundert Meter südlich vom kleinen Gladbecker Siedlungskern um die St. Lambertikirche. 1873 hat somit die Zeit des Bergbaus in Gladbeck begonnen. Fast 100 Jahre später, im Jahr 1971, wird diese für Gladbeck so prägende Epoche mit der Schließung der letzten Zeche wieder enden.

In diesem Zeitraum entwickelt sich das Dorf rasant zu einer Stadt, die Einwohnerzahl vervielfacht sich auf zwischenzeitlich 84.100 Einwohner (1960). Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Chronik des Heimatvereins.

Gladbeck-einst um 1820
Zeichnung von Dr. Ludwig Bette, veröffentlicht in den Gladbecker Blättern für Orts- und Heimatkunde, 23. Jahrgang, 1937, Seite 43 ff.

Dr. Ludwig Bette, Heimatforscher, veröffentlicht in den „Gladbecker Blättern“ eine Lageskizze von Gladbeck um das Jahr 1820. Der Ortskern rund um die Kirche St. Lamberti ist hier zeichnerisch dargestellt mit der Lage der Häuser und ihren Besitzern.

Gladbecker Relief
Relief vor der Kirche St. Lamberti

Eine plastische Darstellung des Ortskerns von Gladbeck um 1820 zeigt ein Relief, das der Verein für Orts- und Heimatkunde vor der Kirche St. Lamberti aufgestellt hat.

Gladbeck-einst-Kirchdorf
Zeichnung: Franz Wegener

Diese zeichnerische Rekonstruktion von Franz Wegener zeigt das Kirchdorf Gladbeck um 1880, vor Beginn des Verstädterungsprozesses. Die Lambertikirche, wie wir sie kennen, gibt es noch nicht. An ihrer Stelle steht hier eine kleinere Kirche mit einem Zwiebelturm.

Innenstadt 1928

Dieser Stadtplan von 1928 zeigt die Innenstadt.

Foto: StA Gla_F 23-3

Dieses Foto wurde vermutlich um 1920 aufgenommen und zeigt einen Teil der Marktstraße Richtung Kirchplatz. So ungefähr könnte der Ortskern um die St. Lambertikirche jahrhundertelang ausgesehen haben.

Auf dem GeoPortal Ruhr https://luftbilder.geoportal.ruhr/ können Sie die städtebauliche Entwicklung Gladbecks anhand von Luftbildern aus verschiedenen Zeiten ansehen.
Die Luftbilder entstanden überwiegend in den Jahren 1926, 1934, 1952, 1963, 1969, 1990, 1998, 2006, 2009 und 2020.

Rathaus und Umgebung

Luftaufnahme um 1926

Erläuterungen:
Das gelbe Rechteck umfasst die beiden ersten Amthäuser,
das rote Rechteck umgrenzt das Rathaus,
im blauen Rechteck liegt das Lyzeum für Mädchen an der Viktoriastraße,
das grüne Rechteck kennzeichnet die Lage des „Bankhaus H. Küster, Ullrich &. Co.“ an der Viktoriastraße.
Die Viktoriastraße existiert heute nicht mehr.

Zum 01.04.1885 wird Heinrich Korte von der Königlich Preußischen Regierung zum ersten Amtmann in Gladbeck ernannt. Es wird das erste Gladbecker Amtshaus mit einer Wohnung für den Amtmann und seine Familie sowie mit zwei bescheidenen Büroräumen für die kleine Verwaltung gebaut. Das Amtshaus liegt am Rand des damaligen Siedlungskerns vor dem heutigen Rathaus, weit ab vom eigentlichen Ortszentrum um die St. Lambertikirche. Gladbeck hat etwa 4.600 Einwohner.

Bereits etwa 10 Jahre später ist das erste Amtshaus zu klein für die Verwaltung. 1897 wird ein zweites, deutlich größeres Amtshaus neben dem ersten Gebäude errichtet. Heute steht dort am Anfang der Hochstraße das 2019 eröffnete Geschäftszentrum „HOCH10“. Gladbeck hat etwa 9.000 Einwohner.

Abermals fast 10 Jahre später ist auch das zweite Amtshaus zu klein. Am 06.12.1910 wird das heutige Rathaus als neues Gladbecker Amtshaus eingeweiht. Seit 1908 wurde es als vierflügeliges Gebäude um einen Innenhof erbaut nach Plänen des Kölner Architekten Otto Müller-Jena, der einen 1906 ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen hatte. Entstanden ist ein wuchtiger Bau mit einem 48 Meter hohen Turm. Oben am Gebäude ist ein „Türmer“ angebracht, der vom Kölner Bildhauer Georg Grasegger modelliert wurde. Gladbeck hat etwa 39.000 Einwohner.

Gladbeck-einst-Rathaus
Hochstraße mit Amtshäusern. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick von der Hochstraße Richtung Westen um 1917, links neben der Apotheke das zweite Amtshaus (erbaut um 1897), dahinter verdeckt und nicht sichtbar das erste Amtshaus (erbaut um 1885) und das Rathaus (1910). Über den Bäumen hinter der Steinmauer links ist die Spitze des evangelischen Bethauses sichtbar. Das van-Suntum-Haus steht bereits.

Rathaus-einst-Hochstraße
Blick in die Hochstraße. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick in die Gegenrichtung, vom Rathaus in die Hochstraße um 1923. Das Gebäude rechts ist das zweite Amtshaus.

Rathaus um 1920
Rathaus. Foto: StA Gla_FA 7-9_Rathaus

Das Foto, etwa um 1920, zeigt das Rathaus, links sind die beiden Amtshäuser zu sehen, rechts verläuft die Viktoriastraße. Rechts unten ist der Turm des evangelischen Bethauses zu erkennen.

Rathaus. Foto: StA Gla_F 7-14

Dieses Foto entstand ebenfalls um 1920 und zeigt das Rathaus mit dem Bethaus unten in der Mitte, die beiden Amtshäuser und den Eingangsbereich der Hochstraße.

Rathaus-einst-Bethaus
Bottroper Straße. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick in die Bottroper Straße Richtung Westen um 1914, links ist das evangelische Bethaus sichtbar, rechts das van-Suntum Haus an der Einmündung der Rentforter Straße.

Gladbeck-einst-Lyzeum
Viktoriastraße mit Lyzeum (Mädchengymnasium). Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick nach Süden in die Viktoriastraße um 1920. Rechts das Lyzeum, dahinter das Gebäude des Zahnarztes Dr. Hoppe, am Ende das „Bankhaus H. Küster, Ullrich & Co“.

Gladbeck-einst-Bankhaus-Küster
Bankhaus H. Küster, Ullrich & Co. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick um 1920 in die Friedrichstraße nach Westen auf das „Bankhaus H. Küster, Ullrich &. Co“. Rechts mündet die Viktoriastraße ein.

Foto: StA_GLA_Grosser_Ordner2_G_Film117_Negativ22_Rathausvorplatz_1970er

Blick auf das Rathaus Richtung Hochstraße um 1970. Im Vordergrund der Parkplatz ist der Rest der Viktoriastraße.

Rathaus-einst-Bürotürme
Blick auf Rathaus mit Büroturm. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick um 1971 von der Bottroper Straße auf das Rathaus mit einem der beiden zum Rathaus gehörenden Bürotürme im Vordergrund.

Rathaus-einst-und-heute
Foto: Stadt Gla_Rathaus

Das Alte Rathaus heute mit dem 2006 eingeweihten Neuen Rathaus.

Hochstraße

Die Hochstraße ist als Verbindung zwischen Bottrop und Gelsenkirchen-Buer eine der ältesten Straßen in Gladbeck. Auch sie verändert sich im Lauf der Jahrzehnte, was wir exemplarisch am Bereich zwischen Rathausplatz und Beginn der Hochstraße aufzeigen wollen.

Rathaus-einst-Hochstraße
Blick vom Rathaus in die Hochstraße. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick vom Rathaus in die Hochstraße um 1923. Das Gebäude rechts ist das erste Amtshaus, erbaut um 1885, dahinter das zweite Amtshaus, erbaut um 1897. Die Straßenbahn verkehrt bereits.

Hochstraße-Althoff
Hochstraße mit Althoff. Foto: Gruß aus Gladbeck

Noch ein Blick vom Rathaus in die Hochstraße, etwa 1959.

Hochstraße-1970
Hochstraße mit Karstadt. Foto: Gruß aus Gladbeck

Hochstraße, etwa 1970. Straßenbahn und Autos teilen sich die Straße.

Hochstraße 1980
Hochstraße als Fußgängerzone. Foto: Gruß aus Gladbeck.

Das Foto von 1980 zeigt die Hochstraße als Fußgängerzone ohne Auto- und Straßenbahnverkehr.

Die Hochstraße um 2018. Foto: Stadt Gladbeck

Heute lädt der Innenstadtbereich zum Einkaufen und Verweilen ein.

Marktplatz

Am südlichen Rand des Gladbecker Siedlungskerns entwickelt sich ab 1896 der Gladbecker Marktplatz. Er liegt nicht nahe der Kirche oder des Amtshauses, weil dort die Grundstückskosten zu hoch sind. In den Folgejahren wird er zu einem Mittelpunkt des öffentlichen Lebens weiterentwickelt. Am Markt wird die erste Postnebenstelle in einem Nebenraum einer Gaststätte eingerichtet.

Marktplatz-einst-1912
Marktplatz um 1912. Foto: StA Gla_Pk V1-342_Marktplatz um 1912

Marktplatz um 1912 mit Blick auf die Horster Straße. Im Hintergrund ist in der Mitte das Kaufhaus Daniel, heute ein Wohnhaus, erkennbar. Die übrige nördliche Seite des Marktplatzes ist noch unbebaut.

Marktplatz-Horster-Straße-einst
Kaiserstraße mit Markt. Foto: Gruß aus Gladbeck

Blick von der Horster Straße (damals Kaiserstraße) auf den Marktplatz mit Uhr und Kiosk, im Hintergrund die St. Lambertikirche.

Foto: StA_GLA_Grosser_Ordner16_Film32_Negativ36 Verkaufspavillon Marktplatz

Blick um 1950 auf den Marktplatz mit den Häusern auf der südlichen Seite. Diese Häuser weichen später dem Ausbau der vierspurigen Wilhelmstraße. Im Vordergrund der Verkaufspavillon des Verkehrsvereins.

StA Gla_F 25-14

In der Vergangenheit wird der Marktplatz auch genutzt für Veranstaltungen und Kundgebungen, beispielweise zum 1. Mai.

StA_GLA_Grosser_Ordner2_M_Film227_Negativ1

Dicht an dicht stehen die Markstände, der Markt ist sehr gut besucht.

Marktplatz heute. Foto: Wolfgang Kariger

Das Foto zeigt den Marktplatz um 2020. Rechts verläuft die Wilhelmstraße. Der Marktplatz dient überwiegend als Parkplatz.

Jovyplatz

In den 1920er Jahren verstärkt die Stadtverwaltung unter der Leitung des Oberbürgermeisters Dr. Michael Jovy ihre Bemühungen, ein Stadtbild zu entwickeln. Sinnbildlich hierfür steht die Anlage des Jovyplatzes an der Schützenstraße.

Jovyplatz etwa 1927. Foto: StA Gla_FA 27-30_Jovyplatz

Die Luftbildaufnahme von 1927 zeigt die gesamte Anlage des Jovyparks. Unten im Bild ist das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Bad, eingeweiht 1913, zu sehen. Heute steht hier etwa das Riesener-Gymnasium. Rechts oben ist das Amtsgericht, das 1915 bezogen wurde, zu erkennen. An der nördlichen (oberen) Seite steht das 1922 erbaute Finanzamt, in dem sich heute das „kreativAmt“ befindet. Daneben, weiter westlich, sind das Polizeiamt (1922) und dahinter die Wittringer Schule (vormals Aloysiusschule), Eröffnung 1927, zu sehen. Gut zu erkennen ist, dass hinter diesen Gebäuden die Bebauung endet und freie Felder das städtebauliche Bild prägen. Südlich des Polizeiamtes gelegene Wohnhäuser sollen die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg lindern und runden den repräsentativen Platz ab.
Alle Gebäude in diesem Ensemble (außer dem Riesener-Gymnasium) sind mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt.


Kaiser-Wilhelm- Bad mit Amtsgericht und Gefängnis im Hintergrund. Foto: Gruß aus Gladbeck

1913 wird das „Kaiser-Wilhelm-Bad“ an der Schützenstraße, später Hallenbad der Stadt Gladbeck, eröffnet. Eine große Attraktion! Bis 1964 lernen hier fast alle Gladbecker Kinder das Schwimmen. Heute steht an dieser Stelle die Sporthalle des Riesener-Gymnasiums.

Im Innern des Hallenbads. Foto: Gruß aus Gladbeck

Das Foto zeigt das Innere des Hallenbades. Energie sparen ist auch früher angesagt: Auf einem Schild in den Duschräumen stand: Brausezeit 3 Minuten.

Amtsgericht, Foto: StA Gla_FA 1-19_Amtsgericht

Im Januar 1915 wird das stattliche Gebäude des Amtsgerichts an der Schützenstraße mit dem großen Adler über dem Hauptportal bezogen. Dazu gehört auch ein Gefängnis mit 26 Zellen.

Finanzamt Foto: StA Gla_FA 23_23_Finanzamt

1923 wird das neue Finanzamt (heute „kreativAmt“) als Teil des historisch bedeutsamen Gebäudeensembles am Jovyplatz fertig gestellt. Das Gebäude wird vom städtischen Hochbauamt als monumentaler Putzbau errichtet.

Wohngebäude am Jovyplatz mit Polizeiamt im Hintergrund. Foto: StA Gla_FA 10-4_Jovyplatz mit Polizeiamt

Die zwischen 1920 bis 1924 errichteten Wohnhäuser sowie das Polizeiamt runden den Park ab.

Der Jovyplatz um 2020,Foto: Wolfgang Kariger

Der Jovyplatz um 2020, links erkennt man das „kreativAmt“, oben das Amtsgericht und daneben das Riesener-Gymnasium.

Der repräsentative Platz mit der parkähnlichen Anlage in der Mitte und den Wohnhäusern am Rand gilt, als er in den 1920er Jahren angelegt wird, als Beispiel für die urbane Dynamik der jungen Stadt Gladbeck, als Vorzeigeprojekt moderner städtebaulicher Entwicklung.

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