Bäche in Gladbeck


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Der naturnahe Umbau der Bäche in Gladbeck

Bäche in Gladbeck, Boye
Boye und Haarbach 2022 naturnah umgebaut, Foto Dr. Dieter Briese

Die Stadt Gladbeck hat in ihrem Stadtgebiet eine Reihe von Bächen aufzuweisen. Die meisten waren in den letzten 100 Jahren als erlebbare Bäche vielfach aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Sie wurden zu „offenen Vorflutern“ ausgebaut und nahmen die Abwässer aus Haushalten, Gewerbe und Industrie auf. Erst mit dem Einstellen des Bergbaus und damit verbunden mit dem Abklingen der Bergsenkungen und der Entsorgung der Abwässer über unterirdische Kanäle bestand die Möglichkeit, die Bäche naturnah zu gestalten und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Dies hat die zuständige Emschergenossenschaft in den letzten Jahren durchgeführt und allein in Gladbeck über 148 Millionen Euro investiert, davon allein 113 Millionen in unterirdische Kanäle für das Abwasser.

In Gladbeck entwässern fast alle Bäche zur Boye hin, nur im Norden entwässert der Beck’ sche Mühlenbach über die Breiker Becke zur Lippe hin.

Es werden alle Gladbecker Bäche kurz vorgestellt. Am besten machen Sie sich persönlich einmal einen Eindruck von den heutigen Bächen, manche Überraschung ist vorprogrammiert!

Gladebecke

Flurkarte von 1820 mit dem Verlauf der Gladebecke durch das Dorf Gladbeck

Die Gladebecke, die etwa 2 Kilometer lang war, hat der Stadt Gladbeck ihren Namen gegeben, allerdings gibt es sie seit über 100 Jahren nicht mehr. Sie entsprang im Bereich des heutigen Vinzenzparks an der Buerschen Straße. Der einst „hell glänzende Bach“ (Glad = hell, glänzend, klar; Beck = Bach) wurde im Laufe der Jahre aufgrund der zunehmenden Bebauung verrohrt. Er floss ursprünglich in Richtung des heutigen Busbahnhofs, dann weiter durch die Bachstraße, die dadurch ihren Namen erhielt und nördlich der Lambertikirche vorbei. Er mündete nahe der Uhlandstraße in den Wittringer Mühlenbach. Ende der 1980er-Jahre gab es Überlegungen, den Bach wieder an das Tageslicht zu holen. Diese Pläne waren allerdings nicht zu verwirklichen. Deshalb wurde beim Umbau der Lambertistraße ein symbolischer kleiner Wasserlauf geschaffen, der an den ehemaligen Bach und den Namensgeber der Stadt Gladbeck erinnern soll.

Beck’scher Mühlenbach

Beck`scher Mühlenbach, Foto Dr. Dieter Briese

Neben dem Spechtsbach gehört der Beck’sche Mühlenbach zu den Gladbecker Bächen. Er ist aber den meisten unbekannt. Er fließt als einziges Gewässer nicht der Boye zu, sondern nach Norden zur Lippe. Er entspringt im Waldgebiet nördlich von INEOS Phenol als im Gelände erkennbare Rinnsale, die sich später zu einem Bach vereinen. Neben anderen Bächen in Gladbeck bildet er auf einer Länge von etwa 2000 Metern die Stadtgrenze zwischen Bottrop und Gladbeck. Er fließt zum Schloss Beck, bis er später – weiter im Norden – auf Dorstener Stadtgebiet in den Schölsbach mündet. Er wurde im Rahmen der Industrialisierung nie als Abwasserkanal ausgebaut und befindet sich grundsätzlich in einem naturnahen Zustand, wenn auch die Einflüsse des Menschen durch Landwirtschaft oder Freizeit unübersehbar sind.

Brabecker Mühlenbach

Der Brabecker Mühlenbach entspringt in Zweckel, etwa im Bereich des heutigen Hotel-Restaurants Beisenbusch auf Bottroper Stadtgebiet. Er markiert auch fast über seine gesamte Laufstrecke die Grenze zwischen Gladbeck und Bottrop. Nördlich des Hofes Borgwerth mündet der Brabecker Mühlenbach in die Boye. Der Bach ist in vielen Bereichen noch recht naturnah, auch wenn die angrenzende Landwirtschaft einen Einfluss auf die Wasserqualität vermuten lässt. Früher stand am Bach im Bereich des Hauses Brabeck eine Mühle. Diese ist aber etwa seit dem Jahre 1932 nicht mehr existent.

Quälingsbach

Bäche in Gladbeck, Quälingsbachaue
Quälingsbachaue, Foto Dr. Dieter Briese

Der Quälingsbach befindet sich in Rentfort und ist etwa 3,6 Kilometer lang. Er entspringt aus mehreren Quellen im Bereich des Rentforter Waldes. Nach einiger Fließstrecke im Wald mündet er in der Nähe des Elisabeth-Brune-Seniorenzentrums in den Quälingsteich. Danach durchfließt er das Naturschutzgebiet Quälingsbachaue.

An der Autobahn A 31 ändert er seine Fließrichtung in Richtung Süden und mündet im weiteren Verlauf westlich der Glasfabrik Pilkington in der Nähe des Hofes Borgwerth in die Boye. Bemerkenswert ist im Oberlauf des Baches der hohe Salzgehalt (wahrscheinlich bergbaubedingt) und die Verschlechterung der Wasserqualität durch angrenzende Landwirtschaft. Insbesondere die Fische im Quälingsteich hatten und haben zeitweise massiv darunter zu leiden. Ursprünglich mündete der Bach in den Brabecker Mühlenbach. Diese Anbindung fiel mit dem Bau der Autobahn A 31 weg.

Spechtsbach

Ein Bach, von dem wahrscheinlich die wenigstens Gladbeckerinnen und Gladbecker wissen, dass er – auch – etwas mit Gladbeck zu tun hat, ist der Spechtsbach. Er entspringt in Bottrop, nimmt einige weitere kleine Bäche auf und mündet letztendlich östlich der Autobahn A 31 und südlich der Hegestraße in die Boye, immerhin auf Gladbecker Stadtgebiet. Er bildet auf einem kleinen Abschnitt die Grenze zwischen Gladbeck und Bottrop, ist noch sehr naturnah und bietet vielen Pflanzen und Tierarten einen attraktiven Lebensraum.

Haarbach

Bäche in Gladbeck, Haarbach
Haarbach 2022, Foto Dr. Dieter Briese

Der Haarbach, etwa 5,2 Kilometer lang, entsprang ursprünglich einmal etwa im Bereich der ehemaligen Zeche Scholven bzw. südlich der Spiekerheide an der Grenze zu Bülse und mündet, fast gegenüber der Einmündung des Bottroper Kirschschemmsbachs, in die Boye. Auch dieser Bach wurde im Zuge der Industrialisierung zu einem offenen Abwasserkanal umgebaut (etwa um 1919 bis ca. 1923) und in Teilbereichen sogar verrohrt sowie mehrfach verlegt. Abwasser aus Gewerbe, Industrie und vor allem von den Zechen Möller, Zweckel, Scholven und Westerholt wurden eingeleitet. Zwischenzeitlich fließt auch hier das Abwasser in einem unterirdischen Kanal und der Bach wurde dort, wo es möglich war, wieder naturnah gestaltet. Nach einigen Jahren ungestörter Entwicklung ist der eigentliche Bachlauf aufgrund der dichten Vegetation kaum noch zu erkennen. Leider ist er in manchen Bereichen noch verrohrt (z.B. unter den Bahnanlagen des Bahnhofs Gladbeck-West), da dort eine Offenlegung schwierig bis unmöglich ist.

Wittringer Mühlenbach

Der Wittringer Mühlenbach, etwa 5,6 Kilometer lang, entspringt (heute) in Gelsenkirchen-Buer (Heege), auch führte ein Zufluss Wasser aus dem Bereich Puls-Rosör dem Bach zu. Ein Teich im Bereich der Kleingartenanlage Offermannshof vereinigte beide Zuflüsse. Er fließt dann weiter entlang der heutigen Bundesstraße B 224 bzw. A 52 durch das Naturschutzgebiet Bloomsfeld und verschwindet dann „in der Unterwelt“ bis er später kurz vor dem Wittringer Wald wieder an die Oberfläche tritt. Entlang des Wittringer Waldes und der Moltke-Halde geht es weiter bis zur Halde Mottbruch, wo er in die Boye mündet.

Wittringer Mühlenbach 1918, Foto Stadtarchiv Gladbeck

Der Wittringer Mühlenbach wurde ab 1918 durch die Emschergenossenschaft zu einem offenen Abwasserlauf ausgebaut und nahm die ungeklärten Abwässer aus der Stadt und auch aus der Industrie und dem Bergbau auf. Verlegungen fanden u.a. im Jahre 1936 in Folge des Baus der Verbandsstraße (heutige B 224) und der damaligen Reichsautobahn, der heutigen Autobahn A 2, statt. Zwischenzeitlich ist das Schmutzwasser in unterirdischen Kanälen verschwunden und in Teilbereichen – z.B. im Bereich des Wittringer Waldes – ist der Bach wieder in einen naturnahen Zustand versetzt worden. Leider ist dieses noch nicht im gesamten Verlauf der Fall, so dass es immer noch Verrohrungen gibt und auch der geplante Umbau der B 224 zur A 52 noch zu Veränderungen führen wird.

Nattbach

Bäche in Gladbeck, Nattbach
Nattbach, Foto Dr. Dieter Briese

Der Nattbach, etwa 3,9 Kilometer lang, entspringt auf dem Gebiet der Stadt Gelsenkirchen. Er fließt durch das Naturschutzgebiet Nattbach, an der Kleingartenanlage vorbei, speist den Stensteich und fließt durch Brauck an der Mottbruchhalde sowie dem dortigen Naturschutzgebiet entlang und mündet in den Wittringer Mühlenbach. Nach weitgehendem Ausbau als Abwasserkanal wurde auch er in den letzten Jahren vom Abwasser befreit und renaturiert.

Hahnenbach

Hahnenbach im Herbst, Foto Dr. Dieter Briese

Der Gladbecker Hahnenbach ist etwa 2,9 Kilometer lang und „entspringt“ heute, wenn man das so nennen kann, aus einem unterirdischen Sammler nahe der Lützenkampstraße in Gladbeck-Brauck. Früher lag wohl die Quelle in Gelsenkirchen, etwa im Bereich des Hofes Buer in Beckhausen. Er fließt am Friedhof Brauck und an den Kleingärten vorbei und durch den Südpark, bis er letztendlich in die Boye mündet. Aufgrund des Bergbaus (Bergsenkungen) ist ein freier Abfluss zur Boye nicht mehr gegeben.

Pumpwerk am Hahnenbach, Foto Dr. Dieter Briese

Der Hahnenbach wird deshalb durch ein (neues) Pumpwerk auf ein höheres Niveau gehoben, so dass er auf den letzten Metern frei zur Boye fließen kann. Um die Jahre 1925/1928 wurde der Bach ausgebaut und reguliert. Ab dem Jahre 2008 wurde das Schmutzwasser in einen unterirdischen Kanal verbannt, so dass der Bach anschließend im Rahmen des Umbaus des Emschersystems wieder naturnah gestaltet werden konnte. Dies geschah mit intensiver Beteiligung der Öffentlichkeit. An vielen Stationen kann der Bach jetzt neu erlebt werden:  Erlebnispfad „Unser Hahnenbach“ bis hin zu einem „Blauen Klassenzimmer“. Die Umgestaltung des Hahnenbaches war und ist Beispiel für viele Umgestaltungen anderer Bäche und wird häufig von Fachleuten als positives Vorbild besichtigt.

Das „blaue Klassenzimmer“ am Hahnenbach, Foto Dr. Dieter Briese

Boye

Die Boye als größter Bach hier im Raum ist insgesamt etwa 13,8 Kilometer lang, verläuft allerdings nicht komplett auf Gladbecker Gebiet. Sie entspringt südlich von Bottrop-Kirchhellen. Zuerst fließt sie relativ naturnah durch landwirtschaftliche Bereiche und durch Waldgebiete, bevor sie die Stadtgrenze zu Gladbeck erreicht. Sie bildet dann über einige Kilometer die Stadtgrenze zwischen Bottrop und Gladbeck, bevor sie im Süden kurz nach der Einmündung des Hahnenbaches das Gladbecker Stadtgebiet verlässt.

Abwasserkanal 2014, Foto Dr. Dieter Briese
Umbau der Boye 2020, Foto Dr. Dieter Briese

Die Boye wurde ab den 1910er-Jahren zu einem offenen Abwasserkanal umgebaut, allerdings in den letzten Jahren wieder naturnah gestaltet. Seit 2017 ist sie bereits abwasserfrei. Besonders im Bereich des Naturschutzgebietes „Boyetal Ost“ wurde der Boye wieder Raum gegeben und es haben sich dort schon wieder seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Die „Renaturierung“ des Unterlaufes auf Essener und Bottroper Gebiet soll bald abgeschlossen sein. Bemerkenswert ist, dass der seltene Fisch, die Emscher-Groppe, am Oberlauf der Boye überlebt hat und sich nun wieder ausbreiten kann.

Bäche in Gladbeck, Boye 2022
Aufwertung der Boye 2022, Foto Dr. Dieter Briese

Dr. Dieter Briese

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